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Phimose (2 Jahre)

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Sehr geehrter Herr Dr. Voitl, ich habe das folgende Problem: Mein Sohn ist 2 Jahre alt und es wurden 5 Ärzte konsultiert. 2 gaben an er habe eine Phimose, langes Präputium und eingeengt, nicht retrahierbar und 3 weitere Ärzte wiederum gaben an er habe keine Phimose, ein normal konfiguriertes Präputium, ungehindert zurückstreifbar bis zum Sulcus Coronarius, kein Schnürring erkennbar. Wie kann man sich so extrem differierende Diagnosen erklären? Würde ihnen gerne die Befundberichte per E-Mail zusenden, wenn Sie mir eine E-Mail-Adresse angeben. Das glaubt mir sonst keiner! Was soll ich da machen?? Roland T.

Antwort:

Die Email ist office@kinderarzt.at, Sie können mir die Berichte mailen. In aller Regel behandelt man erst im Vorschulalter; mit 2 Jahren kann sich noch viel von selbst lösen.

Unter Phimose versteht man eine Verengung der Penisvorhaut, die das Zurückziehen unmöglich macht. Bis zum ersten Lebensjahr ist die Verklebung der Vorhaut normal und erfüllt eine Art Schutzfunktion, danach löst sich dies meist bis etwa zum Schuleintritt von selbst. Eine Vorhaut-Verengung liegt bei 8% aller 6 jährigen vor.

Wen sich die Vorhaut nicht zurückziehen lässt oder beim Zurückziehen eine Einengung auffällt, muss von einer Verengung ausgegangen werden. Zudem können Verklebungen (Conglutinationes) zwischen der Vorhaut und der Eichel bestehen. Davon abzugrenzen ist das sogenannte Frenulum breve; eine Hautfalte, die bei Zurückziehen der Vorhaut zur Verformung der Eichel führt. Bestehen nur Verklebungen zwischen dem inneren Vorhautblatt ohne Verengung, liegt keine Phimose im eigentlichen Sinne vor.

Der Harnstrahl ist sehr dünn, und die Vorhaut bläht sich beim Wasserlassen ballonartig auf.

Vorhautverklebungen ohne Verengung der Vorhaut selbst stellen bei Fehlen von Entzündungen oder Harnwegsinfekten keinen Grund zur Operation dar. Hier kann eine Salbenbehandlung mit einer hormonhältigen Creme oder auch einer Kortisoncreme versucht werden. Hierbei sind Erfolgsraten von bis zu 80 % erzielbar (van Basten 2003, Ashfield 2003). Auch bei der unkomplizierten Vorhautverengung kann ein derartiger Therapieversuch unternommen werden. Die Vorhaut soll so weit wie möglich ohne Kraftanwendung zurückgezogen werden, danach wird die Creme aufgetragen.  

Kleine Verklebungen, die sich nicht lösen können vom Kinderchirurgen unter Verwendung einer anästhesierenden Creme gelöst werden.

Die weitere Behandlung der kindlichen Vorhautverengung besteht primär oder nach erfolgloser konservativer Therapie in einer Operation. Angeborene und vor allem narbige Phimosen sollten spätestens bis zur Einschulung operiert werden. Auch bei wiederholten Entzündungen unter der Vorhaut ist ein operativer Eingriff anzuraten.

Einerseits kann durch ein plastisches Operationsverfahren die Vorhaut erhalten und nur die Verengung beseitigt werden (die sogenannte „Welsh-Plastik" oder die „Triple-Inzision"), andererseits kann eine komplette Beschneidung erfolgen; diese reduziert das Risiko von Harnwegsinfekten oder möglicherweise später sogar von Karzinomen.

Über die psychischen Auswirkungen von Teil- oder Komplettbeschneidungen bei Kindern liegen derzeit nur unzureichende Daten vor.

Die Komplikationsrate der operativen Therapie liegt bei etwa 1.4 - 3 % und beinhalten die Möglichkeit einer Nachblutung, Wundinfektion oder auch der Erneuten Verengung der restlichen Vorhaut (Saxena 2000, Tucker 2001).

Kontraindikationen zur Operation sind lokale Infektionen und alle angeborenen Anomalien des Penis, vor allem ein falscher Abgang der Harnröhre (Hypospadie).

Es werden fast immer Nähte verwendet, die sich selbst nach der Wundheilung auflösen, sodass eine Fadenentfernung nicht notwendig ist.

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 25. März 2014 erstellt.

Der Inhalt dieser Seite wurde am 29. Juli 2014 letztmalig geändert.