Schlafproblem
Frage:
Sehr geehrter Herr Dr. Voitl, unser Sohn (8,5 Monate alt) schläft schlecht ein, bzw. nicht lange. Wenn er aufwacht, bekommen wir ihn nur mit ein den Schlaf wiegen ins Bett. Das geht bis 24 Uhr ungefähr 3-4 Mal. Wenn er dann wach wird, weint er so lange, bis wir ihn in unser Bett holen. Dort schläft er dann ruhig, ohne aufzuwachen bis zu 7 Stunden. Was können wir tun, um ihn an sein eigenes Bett zu gewöhnen und auch daran, dass er allein wieder einschläft? Des Weiteren hat er die Angewohnheit, gerade wenn er müde ist uns ständig ins Gesicht zu greifen. Das macht er dann teilweise so lange bis er eingeschlafen ist. Kann und sollte man ihm diesen Angewohnheit abgewöhnen? Vielen Dank und viele Grüße.
Antwort:
Die Angewohnheit, in Ihr Gesicht zu greifen, ist nicht besorgniserregend und muss nicht abgestellt werden.
Einschlaf- und Durchschlafprobleme sind nicht selten im Alter Ihres Babys; eventuell können Parallelen mit Ihren eigenen Schlafgewohnheiten als Kind vorhanden sein.
Arbeiten Sie dennoch an einer Umstellung:
Zunächst sollten Sie sich darüber klar werden, ob Sie beide dazu bereit sind. Legen Sie fest, wann Sie mit einer Umgewöhnung beginnen werden.
Bereiten Sie sich vor: Die Vorbereitung ist wichtig, damit Sie nicht nach der ersten Nacht aufgeben. Sprechen Sie als Eltern untereinander ab, wie Sie die Sache angehen wollen. Gehen Sie gleichzeitig mit Ihrem Baby zu Bett, um selbst genügend Ruhe zu bekommen. Verabreden Sie mit Ihrem Partner vorher, wann genau Sie aufstehen wollen. Beginnen Sie mit dem kleinstmöglichen Mitteln Wenn das Baby erwacht, streicheln Sie es sanft, decken Sie es gut zu und geben Sie ihm seinen Schnuller. Dies hilft vielleicht für eine Stunde.
Versuchen Sie die gleiche Prozedur noch einmal. Findet Ihr Kind noch immer nicht zur Ruhe, wickeln Sie es. Machen Sie jedoch kein Licht, und unterhalten Sie es nicht. Vielleicht schläft es danach etwa eine weitere Stunde. Hilft auch dies nicht mehr, geben Sie Ihrem Baby ein wenig Wasser zu trinken. Dies hat zwei Funktionen. Zum einen signalisieren Sie dem Baby, dass es nachts nichts zu essen gibt, dass es aber Wasser bekommen kann. Zum anderen gibt es Ihnen die Gewissheit, dass Ihr Kind nicht durstig ist. Wenn Streicheln, Wasser trinken und Wickeln nicht helfen: Legen Sie Ihr Baby in den Kinderwagen und schieben Sie ein wenig hin und her. Denken Sie aber daran, die Nacht für Ihr Baby so ruhig und wenig interessant wie irgend möglich zu gestalten.
Es ist ganz natürlich, dass ein Kind sich im Bett der Eltern am wohlsten fühlt. Hier findet es Wärme, Geborgenheit und Nähe. Diese Tatsache kann aber im Lauf der Zeit zum Problem werden: Es hängt einzig und allein von Ihnen und Ihrem Partner ab, ob Sie Ihr Baby bei sich im Bett schlafen lassen wollen. Hat Ihr Kind sich jedoch erst einmal daran gewöhnt, in Ihrem Bett zu schlafen, kann es sehr schwer sein, ihm dies wieder abzugewöhnen. Es ist ausgesprochen wichtig, sich über alle Konsequenzen abzusprechen. Finden alle Beteiligten es gemütlich und wie lange noch? Was ist mit dem Sexualleben der Eltern? Ist überhaupt Platz genug für drei? Was ist, wenn ein weiteres Kind kommt? Ein Kompromiss kann sich insofern anbieten, als Sie das Kinderbett direkt neben Ihr Bett stellen. So hat das Kind die Eltern zumindest in greifbarer Nähe. Wie auch immer Sie sich entscheiden: tun Sie nur das, was Sie und ihr Partner wirklich wollen. Was "man" tut, ist nicht immer das Beste für die eigene Familie.
Einige wenige Kinder schlafen erst ab einem Alter von anderthalb Jahren eine ganze Nacht durch, ganz egal, was die Eltern auch ausprobieren. Die meisten Babys lernen dies jedoch sehr schnell. Besprechen Sie die Situation auch mit Ihrem Kinderarzt.
Der Inhalt dieser Seite wurde am 12. Februar 2010 erstellt.
Der Inhalt dieser Seite wurde am 13. Februar 2010 letztmalig geändert.




