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Angst im Kindesalter

Ängste  sind ebenso wie Aggressionen ein grundsätzlich normaler und notwendiger Bestandteil des Menschseins und daher auch ein normaler Bestandteil jeder kindlichen Entwicklung. Angst als Affekt  ist ein psychophysisches Reaktionsmuster, neben dem Angstgefühl kommt es auch zu verschiedenen körperlichen Symptomen wie beispielsweise Herzklopfen, Zittern, ein flaues Gefühl im Magen oder im Bauch, Mundtrockenheit oder anderen körperlichen Zuständen.

Entwicklungsstufe und Angst

Je nach der Entwicklungsstufe des Kindes kann es zu unterschiedlichen Angstinhalten kommen:

Im ersten halben Lebensjahr  kann Angst etwa durch Reizüberflutung jeder Art ausgelöst werden, beispielsweise durch plötzliche laute Geräusche oder dem Fehlen einer angemessenen Reaktion auf die Nöte und Bedürfnisse des Säuglings. Ein Säugling  in diesem Alter hat nur eine geringe Zeitspanne zur Verfügung, innerhalb der er warten kann. Aber auch Angst in den Gesichtern der Bezugspersonen können in den Säuglingen selbst ebenfalls Angst auslösen.

In der 2. Hälfte des ersten Lebensjahres tritt das so genannte "Fremdeln" auf. Das Baby kann nun bereits deutlich zwischen nahen Bezugspersonen und weniger vertrauten bzw. fremden Personen unterscheiden und reagiert auf letztere ängstlich.

Im 2. Lebensjahr ( z.T. bereits in der 2. Hälfte des ersten Jahres), wenn das Kind bereits mobil ist und sich aktiv von den Bezugspersonen wegbewegen kann, findet auch  im Inneren des Kindes eine gewisse Ablösung und Trennung von den Bezugspersonen statt. In diese Zeit fallen nun auch die Trennungsängste des Kindesalters. Manchmal äußern sich diese auch in Schlafstörungen, da sich mit dem Einschlafen das Kind ja auch von den Eltern und der Welt des Tages trennen muss.

Im 2. bis 5. Lebensjahr, einem Entwicklungsabschnitt, der von einer magisch anmutenden Phase des Kindes beherrscht wird, zeigen sich vor allem Ängste vor Gespenstern, Hexen  und anderen imaginären Wesen sowie vor der Dunkelheit, vor Einbrechern, Tieren oder Gewittern.

Im 6. bis 9. Lebensjahr, also im Volksschulalter zeigen sich Schulängste (dahinter können auch verschleppte Trennungsängste stecken), aber auch Sozialängste oder Leistungsängste.

Um das 7. bis 8. Lebensjahr entsteht auch das Verständnis eines Todesbegriffes, woraus vermehrt Ängste auftreten können. Vorpubertät und Pubertät sind durch reifungsbezogene Ängste und Befürchtungen rund um den Körper gekennzeichnet. Aber auch Sozialängste, Zukunftsängste sowie Versagensängste auf allen Ebenen kommen vor.

Manche Ängste ziehen sich auch über die nächste Entwicklungsstufe hinaus. So sind beispielsweise  in unterschiedlichem Ausmaß Trennungsängste über die gesamte Kindheit und teilweise in die Pubertät hinein zu beobachten, solange Abhängigkeit besteht, besteht auch eine gewisse Angst vor Trennung.

Jede der beschriebenen entwicklungsbedingten Ängste kann sich in pathologische Formen steigern. Ob Ängste pathologischer Natur sind oder noch im Rahmen der üblichen Entwicklung liegen, kann ganz allgemein an folgenden Kriterien festgemacht werden:

  • Angstzustände, die über ihre Auslöser hinaus zu lange Zeit bestehen bleiben
  • Zu hohe Intensität der Angst, wodurch die adäquate Wahl der Anpassungsleistung verunmöglicht wird und das Kind z.B. "angstblöd" wird
  • Ängste die sich auszubreiten beginnen, von einem ursprünglich ängstigenden Geschehen abkoppeln und weitere Ereignisse und Fantasien zu begleiten beginnen.

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Formen von pathologischen Ängsten

  • Generalisierte Angst: Kinder leiden unter vielfältigen Ängsten, welche sich gleichsam auf  jede Situation ihres Lebens beziehen können.
  • Angstphobien: Kinder zeigen zwanghafte Befürchtungen angesichts bestimmter Situationen, Tieren oder Dingen, die sie auch zu meiden versuchen, die aber meist nicht unbedingt angsterzeugenden Charakter haben. ( z. B.: Angst (Phobie) vor Hunden, Insekten, vor der Schule, Sozialphobie, Arztphobie, Bakterienphobie...)
  • Trennungsangst: Diese Kinder sind auf die reale Anwesenheit ihrer Bezugspersonen angewiesen. Sind diese nicht zugegen, entsteht heftige Trennungsangst noch in einem Alter, wo dies nicht aufgrund des geringen Alters entwicklungsbedingt wäre.
  • Panikattacken: Kinder oder Jugendliche leiden periodenartig unter intensiven Gefühlen von Angst und Panik, welche meist abrupt und  ohne äußerlich erkennbare Ursache auftreten, häufig mit körperlichen Reaktionen wie Atemnot oder Herzklopfen einhergehen und einige Minuten anhalten.
  • Ängste nach schweren oder leichten traumatischen Belastungen: Diese Ängste treten als Reaktion nach schweren traumatischen Ereignissen auf wie beispielsweise Kriegserlebnisse, Erdbeben etc. oder auch leichteren Ereignissen wie Trennungen, Verlust, Migration etc. auf. Sie führen bei den Kindern ebenfalls zu panikartigen Zuständen, Reizbarkeit , Schlafstörungen, Albträumen und wiederkehrenden Erinnerungen des Angstereignisses, beziehungsweise zu ängstlich trauriger Gestimmtheit 
  • Ängste, die nicht als Angstsymptom erkennbar sind: Hinter vielen anderen Symptomen verbirgt sich Angst, obwohl sie als solche nicht in den Vordergrund tritt. Vielen Verhaltensauffälligkeiten oder psychosomatischen Erkrankungen liegt eine Angstproblematik zugrunde.

Die Ursachen für die Angststörungen sind vielfältig und müssen im Einzelfall mit Fachkräften geklärt werden.

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Tipps

  • Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes immer ernst und sprechen Sie mit ihm darüber.
  • Sofern Sie Ihr Kind beruhigen können, tun Sie dies auch.
  • Bedenken Sie, dass Ihr Kind auch Ihre Angst wahrnimmt und diese sowohl leicht übernehmen kann, als auch Beruhigung schlecht annehmen kann, wenn es merkt, dass Sie selbst Angst haben. Manchmal kann  der andere Elternteil oder eine andere Bezugsperson besser damit zurechtkommen.
  • Bieten Sie Ihrem Kind größtmögliche Unterstützung, Sicherheit und Ermutigung, damit es mit den ängstigenden Situationen besser zurechtkommen kann, aber steigen Sie nicht zwangsläufig in ein angstvermeidendes Verhalten mit ein.
  • Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie hinsichtlich der Ängste Ihres Kindes unsicher sind und einen starken Leidensdruck beim Kind merken. Niedergelassene Psychologen/Psychotherapeuten oder entsprechende Institutionen und Beratungsstellen sind darauf geschult zu erkennen, ob es sich um eine rein entwicklungsbedingte passagere Angst handelt oder ob Kind und Eltern darüber hinaus Unterstützung benötigen.

© DDr. Peter Voitl

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 1. Juli 2011 erstellt.