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Drogenkonsum

Diverse Studien und Umfragen ergaben in den letzten Jahren ein eindeutiges Bild: Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem höheren Konsum legaler Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin und der Bereitschaft, auch illegale Substanzen zu nehmen. Bei Jugendlichen sind neben Cannabisprodukten vor allem die so genannten Designerdrogen (in erster Linie Ecstasy) derzeit sehr beliebt. Und: Die untere Altersgrenze einer ersten Drogenerfahrung liegt heute schon bei zwölf Jahren.

Warum Drogen?

Die Gründe sind in etwa die gleichen wie bei Alkohol und Nikotin. Zu nennen ist die Gruppe, in der sich der Jugendliche bewegt, das familiäre Milieu, in dem er aufgewachsen ist, hinzu kommen individuelle Ursachen (Persönlichkeit, psychische Probleme, Traumatisierungen usw.) sowie die derzeitige Marktsituation, die es jedem Jugendlichen leicht macht, an Drogen zu kommen.

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Merkmale

Äußere Merkmale wie Bekleidung, Haartracht,  mangelnde  Hygiene sind zwar manchmal mit Drogenkonsum gekoppelt, können jedoch auch andere Hintergründe haben. Sie sind entgegen verbreiteter Meinung kein verlässliches  Kriterium für Drogenkonsum. Viele Drogenkonsumenten sind in ihrem äußeren Erscheinungsbild völlig unauffällig.

Hinweise auf regelmäßigen Drogenkonsum sind:

  • Narben und Abszesse an Injektionsstellen,
  • Pupillenveränderungen und verminderte Lichtreaktionen,
  • andere akute Anzeichen für Drogeneinwirkung (Lethargie usw.),
  • Wesensveränderungen,
  • Anzeichen einer Vergiftung (Krämpfe, Erbrechen usw.).

Vielen Jugendlichen gelingt es aber, Anzeichen für Drogenkonsum geschickt zu verbergen. Ein direkter Nachweis kann über einen Harntest erfolgen.

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Was tun?

Jugendliche, die bereits drogenabhängig sind, gehören umgehend in medizinische/ psychotherapeutische Betreuung. Es hilft nicht, ihnen mit Schuldzuweisungen, Ratschlägen o.Ä. zu begegnen. Ratsam ist der sofortige Kontakt mit einer einschlägigen Suchtberatungsstelle. Gelingt es nicht, den Jugendlichen dort hin zu bringen, was leider häufig der Fall ist (mangelndes Problembewusstsein, allgemein geringe Bereitschaft bei Jugendlichen eine solche Unterstützung in Anspruch zu nehmen,…) scheuen sie sich nicht, sich als Eltern Unterstützung zu holen. Dies ist oft ein erster wichtiger Schritt!

Prinzipiell können Eltern aber präventiv tätig werden. Die Verhinderung von Drogen beginnt im Grunde bereits mit der frühesten Beziehung zum und Erziehung vom Kind. Das wichtigste Instrument gegen einen späteren Drogenkonsum ist eine gesunde Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit. Bauen sie von klein auf eine vertrauensvolle, stabile Beziehung zu ihrem Kind auf. Suchen Sie rechtzeitig Unterstützung, wenn Sie merken, dass etwas in der Entwicklung ihres Kindes auffällig ist bzw. wenn Sie bei sich merken, mit gewissen Anforderungen hinsichtlich ihres Kindes nicht gut zurechtzukommen. Also "schmieden sie das Eisen, solange es noch heiß ist", es ist ein Irrglaube, dass sich  Probleme von Kindern von selbst auswachsen, sie verlagern sich eher auf die nächste Entwicklungsstufe und eben letztlich dazu, ein Grundproblem in der Pubertät mittels  Drogen zu lösen zu versuchen.

Fördern Sie die Kreativität und Fantasie Ihres Kindes, stärken Sie sein Selbstvertrauen und lassen Sie Emotionen zu. Vermitteln Sie ihrem Kind aber auch, dass Misserfolge zum Leben gehören. Nur wer weiß, dass dies so ist, braucht keine Suchtmittel, um Misserfolge oder Fehler zu verdrängen. Kinder brauchen in ihrer Erziehung aber auch Grenzen, sie müssen lernen, begründbare Regeln zu befolgen. Es ist aber genauso wichtig, dass Sie ein begründetes „Nein“ des Kindes akzeptieren. Auch das hilft, bei Drogen „Nein“ sagen zu können.

Beachten Sie in Ihrer Erziehung vor allem, dass Kinder sehr schnell missbräuchliches Verhalten lernen. Wer ständig Süßigkeiten erhält, wenn er beispielsweise hingefallen ist oder Spielzeug und Fernsehen gegen Langeweile angeboten bekommt, erfährt, dass es immer bestimmter Mittel bedarf, um ein angenehmes Gefühl zu erreichen. Ein solches Verhalten führt leicht dazu, dass ein Jugendlicher auch später bestimmte Mittel einsetzt, um sich gut zu fühlen.

Verlieren Sie  nicht  das Verständnis für Ihr Kind  wenn es Drogen nimmt ohne die Problematik aus dem Blick zu verlieren und stehen Sie ihm auch in dieser Situation bei. Der Konsum von Drogen ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und in jeder Kultur in irgendeiner Form verankert. Das Bedürfnis des Menschen, sich lustvolle Rauschzustände zu verschaffen ist uralt. Das Jugendalter, das sich am Übergang vom Kind zum Erwachsenen mit der Erforschung eigener Fähigkeiten und Grenzen, Lebens-und Erfahrungshunger und dem Experimentieren mit dem eigenen Körper beschäftigt, ist hierfür besonders anfällig.

Gleichzeitig ist das Jugendalter ein Entwicklungsabschnitt, in dem die Jugendlichen auch mit vielen Frustrationen konfrontiert sind und Drogenkonsum das Gefühl von schmerzlichem Erleben und Frustrationen bei Misserfolgen zu vermeiden sucht. Mit der Verwendung von Drogen stellt sich der Jugendliche wieder weniger den nötigen Entwicklungsaufgaben und hat ein geringeres psychosoziales Experimentierfeld, somit wieder weniger Übung und wieder weniger Erfolg. Damit befindet er sich in einem Teufelskreis. Aus diesem finden viele nicht ohne professionelle Unterstützung heraus.

Die Belastung wird dadurch für die gesamte Familie enorm groß. Suchen Sie unbedingt professionelle Hilfe! Meist müssen zuerst andere Familienmitglieder Hilfe in Anspruch nehmen, bevor der Betroffene selbst dazu in der Lage ist.

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Absinth

Eine neuerlich wieder populäre  – legale – Droge ist der Absinth. Bis 1991 war die Verwendung von Wermutöl verboten, seit der Wiederzulassung erleben Getränke mit diesem Zusatz eine Renaissance. Obwohl das Verbot der Abgabe von Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren gültig ist, nimmt der Konsum bei Jugendlichen zu. Absinth ist ein hochprozentiger Kräuterlikör, der mit Wermutauszügen versetzt ist. Das Wort „Absinth" stammt vom Hauptbestandteil des Getränks, dem Wermutkraut (Artemisia absinthium und A. pontica) ab. Neben Wermut kann Absinth unter anderem noch Anis, Sternanis, Fenchel, Ysop, Zitronenmelisse, Angelika, Kalmus, Origanum dictamnus, Koriander, Veronica, Wacholder und Muskat enthalten.

Da es keine offizielle Definition für Absinth gibt, kommen viele minderwertige Produkte auf den Markt, die manchmal sogar nur den Namen gemein haben. Die Grünfärbung wird bei „echten Rezepturen" durch Chlorophyll, bei Plagiaten künstlich hervorgerufen. Neben der „Grünen Fee" gibt es auch (künstlich) rot, schwarz oder blau eingefärbte Varianten. Absinth sollte sich durch eine nachweisbare Verwendung von Wermut von anderen Spirituosen unterscheiden.

Der Alkoholgehalt kann beträchtlich sein: Absinthe des essences, Absinthe ordinaire mit mind. 45% Alkohol, Absinthe demi-fine, Absinthe fine und Absinthe Suisse mit bis zu 90% Alkohol. Das Rezept für Absinth entstand im heutigen schweizerischen Kanton Neuenburg. Für diese Gegend ist der Konsum von mit Wermut versetzten Wein ab 1737 belegt. Traditionell werden die Kräuter erst mazeriert, daraufhin destilliert, um nur die leichtflüchtigen Komponenten zu erhalten und dann noch mal mit Kräutern versetzt um die Grünfärbung und ein stärkeres Aroma zu erhalten. Abschließend wird der Absinth beim servieren mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt - dabei tritt der sogenannte Louche Effekt auf, einer schlierenhaften Trübung der sonst klaren Flüssigkeit - und manchmal mit Zucker versetzt.

Nach Bekanntwerden eines Mordfalls im Absinthrausch 1905 entstanden weltweit Verbote und Einschränkungen, die sich bis circa 1990 hielten. Doch bereits am Höhepunkt der Absinth-Popularität im 19. Jahrhundert wurden seine schädlichen Auswirkungen, die zusammengefasst als „Absinthismus" beschrieben wurden angeprangert.

Wirkung

Möglicherweise ist eine Placebowirkung durch den Glauben an Berichte aus der Künstlerszene, deren Darstellungen und Werke auf psychedelische Wirkungen schließen lassen, für die tatsächlichen Wirkungen mitverantwortlich. In geringer Dosierung soll Absinth ein berauschendes, euphorisierendes und stimulierendes Gefühl bereiten, in hohen Dosen seien halluzinogene Wirkungen möglich. Das Zeitgefühl verändert sich, Farben werden kräftiger, die Sehschärfe nimmt zu und Musik wird lauter empfunden.

Nebenwirkungen

Die hauptsächlichen gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen des Absinths hängen mit dem hohen Alkoholgehalt von bis zu 80 Volumsprozenten zusammen, woraus auch eine entsprechende Abhängigkeit resultieren kann.

Der Absinthismus wird beschrieben als Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, Sehstörung bis Blindheit, Kopfschmerz, Entzugserscheinungen, Abhängigkeit, Persönlichkeitszerfall, Gedächtnisstörung, Krämpfe und Paralyse bis Tod oder Selbstmord - wurde insbesondere auf die Substanz „Thujon" zurückgeführt. Thujon ist mit bis zu 90% der Hauptbestandteil des Wermutöls, es gibt aber auch thujonfreie Varianten.

Neuere toxikologische Bewertungen, zum Beispiel der WHO, führten schließlich zur Rehabilitation von Absinth, allerdings mit der Auflage von Grenzwertbestimmungen für Thujon (in der EU 35 mg/kg; in den USA 10 mg/l). Seit der Legalisierung trat kein weiterer Fall von Absinthismus auf, wodurch die Hypothese entstand, dass in historischem Absinth höhere Thujongehalte vorhanden waren. Dies wurde in neueren Arbeiten nicht bestätigt.

Wechselwirkungen

Die Wechselwirkungen von Absinth mit anderen Inhaltsstoffen (vor allem mit Alkohol), sowie Langzeitwirkungen sind kaum erforscht. Grundsätzlich können viele Bestandteile des Wermuts, zum Beispiel Thujon, Fenchon und Pinocamphon in hohen Dosen Krämpfe auslösen. Bei Mäusen wurden Schädigungen an den Genen sowie an Nieren und am Nervensystem nachgewiesen.

Es gibt einen einzigen dokumentierten Fall einer Thujonintoxikation beim Menschen mit akutem Nierenversagen und Krämpfen als Folge. Ein Rauschzustand blieb allerdings aus. Eine grundsätzlich toxische Wirkung von Thujon wurde bisher in keiner Studie signifikant bestätigt. Es gab eine Wermuttherapie bei Morbus Crohn, auch hier wurden keine Nebenwirkungen dokumentiert. Absinthismus kann vermutlich durch den chronischen oder akuten Alkoholmissbrauch bzw. dessen Entzugserscheinungen erklärt werden.

© DDr. Peter Voitl

Weiterführende Lexikoneinträge:

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 1. Dezember 2011 erstellt.