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Einkoten (Enkopresis)

Definition.

Unter Einkoten oder  Enkopresis wird ein unwillkürliches oder willkürliches Einkoten ab einem Alter von etwa vier Jahren bei normaler oder fast normaler Stuhlbeschaffenheit verstanden. Hierbei handelt es sich  um eine kinderpsychiatrische Diagnose, organische Ursachen müssen ausgeschlossen sein. Wie beim Einnässen unterscheidet man zwischen primärem Einkoten (das Kind war noch nie sauber) und einem sekundärem Einkoten (nach einer Zeit, in der das Kind sauber war, kotet es wieder ein).
Ein mindestens einmaliges Einkoten pro Monat über eine Dauer von mindestens sechs Monaten wird für die Diagnose gefordert.

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Häufigkeiten:

Etwa 2% der sechsjährigen Kinder sind betroffen. Bei den 7-8-jährigen sind es etwa 1,5 %, Buben dreimal so häufig wie Mädchen. Bei den 10 bis 12-jährigen koten noch ca. 1,3% der Buben und 0,3% der Mädchen ein. Die Verteilung der primären und sekundären Einkoter ist etwa gleich. Im Unterschied zum Einnässen zeigen sich beim Einkoten keine familiären Häufungen.

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Symptome:

Eingekotet wird meist in die Unterwäsche, gelegentlich auch in die Wohnräume. Im Gegensatz zum Einnässen, geschieht das Einkoten meist tagsüber. Oft tritt es gemeinsam mit Einnässen und/ oder anderen Verhaltensauffälligkeiten auf. Es kann auch mit Kotschmieren verbunden sein. Häufig entsteht das Einkoten als Störung dadurch, dass die Kinder den Stuhl zurückhalten und damit eine Verstopfung mit hartem Stuhl auslösen. Da der Stuhlgang in der Folge häufig schmerzt, wird weiter zurückgehalten und nur in kleinen Mengen Stuhl abgesetzt. Das Kind kann das Zurückhalten irgendwann nicht mehr kontrollieren und das Einkoten beginnt.

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Sauber werden als Entwicklungsprozess und Sauberkeitserziehung:

Hier finden Sie auch Informationen im Kapitel Bettnässen". Stuhl- und Harnkontrolle unterliegen ähnlichen Prozessen und setzen ähnliche  Entwicklungsschritte voraus, für die Sauberkeitserziehung gilt dasselbe wie im Kapitel "Bettnässen" ausgeführt.

Im Alter von 3 Jahren haben bereits 97% der Kinder eine Stuhlkontrolle. Die Mehrzahl der Kinder beherrscht zuerst die Kontrolle des Stuhlgangs und erst später die Blasenkontrolle. Noch etwas stärker als beim Harn können Kinder Ängste vor dem Verlust des Kots aufweisen, und als Verlust eines  zu ihnen gehörigen Körperteils phantasieren.  Das Thema der Körperkontrolle und  Autonomieentwicklung steht noch etwas deutlicher als beim Trocken werden im Vordergrund und das "große Geschäft" wird auch mit noch "größerem" Stolz an die Eltern phantasiert, als das "kleine".

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Ursachen

Ähnlich wie beim Einnässen geht das primäre Einkoten eher in Richtung Entwicklungsverzögerung oder Entwicklungsstörung, das sekundäre Einkoten eher in Richtung  einer Reaktion auf äußere  ( z. B.: Trennungen ) oder innere ( z.B.:. innere Konflikte) Belastungen. Die Übergänge sind aber oft fließend. Organische Ursachen sind selten, müssen aber im Zweifelsfall ausgeschlossen werden.  Häufige Ursachen im Hintergrund haben mit Themenbereich wie Trennung, Verlust, Autonomiekonflikten, Ängsten, zurückgehaltener Aggression, emotionaler Verwahrlosung oder Problemen seitens der Eltern mit der Sauberkeitserziehung  zu tun. Aufgrund der Ekelproblematik reagieren die Bezugspersonen meist heftiger als bei Einnässen, weshalb sich rascher und heftiger ein negativer Kreislauf zwischen Eltern und Kind ergeben kann und möglichst rasch professionelle Hilfe aufgesucht werden sollte um die sekundäre Problematik nicht unnötig zu vergrößern. Die tatsächlichen Ursachen müssen bei jedem Kind individuell durch eine kinderpsychologische/ psychotherapeutische Diagnostik geklärt werden.

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Therapie

Eine psychologische/ psychotherapeutische  Abklärung ist unerlässlich, ebenso müssen im Zweifelsfall organische Ursachen ausgeschlossen werden. Hierbei ist aber besonders darauf zu achten, dass dies nicht unnötig mit invasiven Methoden geschieht, da invasive Eingriffe an sich, und bei diesen Kindern ganz besonders, zu Traumatisierungen führen können. Es stellt einen Eingriff in ihre körperliche Integrität dar, die gerade bei dieser Störung sehr problematisch sein kann. dadurch kann die Symptomatik dramatisch verschlechtert werden.  Vermeiden Sie aus diesem Grunde auf jeden Fall auch Einläufe jeder Art. Bei hartem Stuhl ist zusätzlich eine medikamentöse Stuhlregulation empfehlenswert, womit Sie auch keine Einläufe mehr benötigen.

Auch  Bestrafungen sollen immer vermieden werden. Bedenken Sie, dass Ihr Kind aus einem massiven Problem heraus dieses Symptom entwickelt hat und nicht etwa aus einer Laune heraus. Die Psychotherapie wird in der Regel ambulant von Psychotherapeuten für Kinder durchgeführt, die Einbeziehung der Eltern ist notwendige Voraussetzung. Nicht selten macht diese Symptomatik eine längerdauernde Psychotherapie notwendig.

© DDr. Peter Voitl

Weiterführende Lexikoneinträge:

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 1. Februar 2012 erstellt.