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Fieber

Werden Kinder krank, ist häufig auch Fieber im Spiel. Als Krankheitssymptom allein ist es aber wenig aussagekräftig, meist ist es in Verbindung mit anderen Symptomen Ausdruck einer bestimmten Erkrankung. Die nachfolgende Übersicht soll Ihnen helfen, rasch zur richtigen Diagnose zu kommen.

Fiebermessen

Die normale Körpertemperatur eines Kindes liegt zwischen 36,1 und 37,8 °C, schwankt dabei aber je nach Tageszeit (der höchste Stand wird um ca. 18:00 Uhr, der niedrigste um etwa 4:00 Uhr erreicht). Ist die Körpertemperatur erhöht, kann das neben Erkrankungen aber auch andere, banale Gründe haben, wie beispielsweise toben, zu warm angezogen o.Ä.

Die Neigung zu Fieber ist bei Kindern sehr verschieden, manche bekommen schon bei leichten Erkältungen höhere Temperaturen, andere fiebern selbst bei schwerer Grippe nur leicht. Fieber ist prinzipiell ein Signal, dass sich der Körper mit einer Erkrankung auseinander setzt, weswegen Sie auch nicht sofort zu einem fiebersenkenden Mittel greifen sollten, wenn Ihr Kind erhöhte Temperatur hat. Anders liegt der Fall, wenn das Fieber sehr hoch ist, aber auch bei Schüttelfrost oder bereits durchgemachten Fieberkrämpfen; dann ist ein fiebersenkendes Medikament hilfreich und notwendig.

Wichtig: Geben Sie immer ein Mittel (Zäpfchen oder Saft), das den Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen enthält. Niemals Acetylsalicylsäure, die bei Erwachsenen gerne verwendet wird, da dieser Wirkstoff bei Kindern das zwar seltene, aber sehr gefährliche Reye-Syndrom (Zerstörung von Gewebezellen im Gehirn und in der Leber) auslösen kann.

Wie Sie Fieber messen können

Bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr misst man zumeist rektal, also im After. Fetten Sie das Thermometer etwas ein, damit es leichter gleitet. Die Messdauer sollte etwa drei Minuten betragen.

Bei Säuglingen ist es sinnvoll, mit der einen Hand beide Füße festzuhalten und die Beine anzuheben. Mit der anderen Hand können Sie das Thermometer halten. Kleinkinder können Sie mit dem Bauch über Ihren Oberschenkel legen.

Bei größeren Kindern können Sie auch unter der Achsel messen. Beachten Sie dabei, dass in der Achselhöhle gemessene Temperatur um etwa einen Grad niedriger ist als die Körper-Kerntemperatur.

Alternativ können Sie Fieber auch im Mund messen; das Thermometer sollte dann unter die Zunge des Kindes gelegt werden. Der Mund ist verschlossen, die Messdauer beträgt eta drei Minuten. Bei einer verstopften Nase ist diese Methode nicht sinnvoll.

Neuere Fiebermessgeräte können auch kurz an Ohr oder Schläfe angesetzt werden und piepsen, wenn sie fertig sind, sind aber bei Babys ungenau.

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Wann handelt es sich um Fieber?

Ein Kind beginnt Fieber zu haben, wenn

  • die Temperatur im Enddarm gemessen 38,0°C übersteigt
  • die Temperatur in der Achsel gemessen 37,5°C übersteigt.

Geringe Temperatursteigerungen können durch Umherrennen, zu warme Bekleidung, ein heißes Bad oder heißes Wetter bewirkt sein. Wenn dies zutreffen könnte, so kontrollieren Sie die Temperatur nach einigen ruhigen Minuten nochmals.

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Ursachen von Fieber

Fieber ist ein Symptom und keine Krankheit. Fieber ist eine normale Antwort auf Infektionen und spielt eine Rolle bei deren Abwehr. Fieber entsteht durch Vorgänge im Immunsystem. Fieber bis 40°C, was jedes Kind gelegentlich haben kann, ist nicht schädlich. Es ist oft durch eine Virusinfektion verursacht, manchmal aber auch durch eine Infektion mit Bakterien.

Ob Zahnen zu Fieber führt, ist ein strittiger Punkt. Das meiste Fieber durch Virusinfektionen dauert zwei bis drei Tage, zuweilen auch etwas länger. Oft ist das Fieber allein kein gutes Maß für die Schwere einer Krankheit. Wie sich Ihr Kind benimmt und wie es reagiert, ist wichtiger. Fieber unter 41,7°C verursacht keine Schädigung. Obschon alle Kinder von Zeit zu Zeit Fieber haben, kommt es nur bei wenigen gelegentlich zu einem Fieberkrampf. Dieser ist meistens harmlos, wenn er nur kurz dauert und ein Kind außerhalb von Fieber nie Krampfanfälle hat.

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Ein fieberndes Kind zuhause behandeln

Sorgen Sie für eher leichte Bekleidung, wenn Ihr Kind fiebert. Geben Sie ihm eine warme Decke, wenn es fröstelt, zittert oder schüttelt. Reichen Sie kühle Getränke, oft und in kleinen Portionen.

Fiebersenkende Medikamente

  • Ein fiebersenkendes Medikament vermag Ihrem Kind für eine Weile etwas Erleichterung verschaffen, also dürfen Sie davon Gebrauch machen. Andererseits ist ein Medikament nicht nötig, wenn sich Ihr Kind im Fieber gut fühlt. Behandeln Sie Ihr Kind und nicht das Thermometer!

  • Beachten Sie, dass Fieber Ihrem Kind helfen kann, die Infektion zu überstehen. Verwenden Sie ein fiebersenkendes Medikament, wenn die Temperatur über 39°C steigt, vor allem in der Nacht und wenn Ihr Kind unter dem Fieber leidet. Kindern im Alter von mehr als drei Monaten kann man gut eines der gängigen fiebersenkenden Präparate geben, als Zäpfchen oder als Saft (Mexalen, Parkemed, ab sechs Monaten Nureflex).

  • Verwenden Sie kein Aspirin oder andere salicylhältige Präparate. Geben Sie das Medikament korrekt gemäß der angegebenen Dosis für das Alter, wenn nötig alle vier bis sechs Stunden. Maximal eine Stunde nach der Gabe senkt das Medikament – häufig mit einem Schweißausbruch – das Fieber, es normalisiert die Temperatur vorübergehend und womöglich nicht vollständig.

  • Bedenken Sie, dass das Medikament die Krankheit nicht heilt, sondern nur das Symptom Fieber vorübergehend mildert und vielleicht etwas zum Wohlbefinden beiträgt. Wenn die Wirkung des Medikamentes nach vier Stunden abklingt, kann die Temperatur wieder ansteigen. Wecken Sie Ihr Kind nicht, um Fieber zu messen, wenn es schlafen kann!

 

Kalte Wadenwickel, Essigsocken oder ein kühlendes Bad?

Diese alten Methoden können angewendet werden, wenn sich Ihr Kind heiß anfühlt und warme Beine hat, jedoch nicht während eines Schüttelfrostes.

Das kühlende Bad soll nicht kalt, sondern lauwarm sein. Es senkt die Temperatur durch Ableitung der Hitze ins Wasser oder durch Verdunstungskühlung. Wenn Sie das Kind aus dem Bad nehmen, nicht sofort abtrocknen.

Wann sollten Sie Kontakt zum Arzt aufnehmen?

Sofort, wenn:

  • Ihr Kind jünger als drei Monate ist
  • das Fieber auf 41°C oder höher steigt
  • Ihr Kind untröstlich schreit
  • es schwer weckbar ist
  • es einen Fieberkrampf hat
  • sein Nacken steif oder die Fontanelle (weiche Knochenlücke am Säuglingschädel) vorgewölbt ist
  • Sie bei Ihrem Kind einen oder mehrere dunkelrote oder blaue nicht wegdrückbare Flecken auf der Haut bemerken (siehe Glasprobe unten)
  • es schwer oder geräuschvoll atmet, was sich nicht bessert, nachdem Sie seine Nase von Schleim befreit haben
  • es nicht schlucken und trinken kann oder Speichel durch den Mund verliert
  • Ihr Kind schlecht aussieht oder Ihnen sonst wie nicht gefällt
  • Sie Fragen oder Ängste haben.

Innerhalb von 24 Stunden, wenn Ihr Kind jünger als sechs Monate ist (außer kurz nach einer Impfung)

  • das Fieber 40,0 – 40,9°C beträgt, besonders wenn es jünger als zwei Jahre ist
  • Brennen oder Schmerzen auftreten beim Urinlassen oder der Urin „scharf“ riecht
  • Ihr Kind länger als 24 Stunden Fieber hat, ohne dass Sie wissen warum.
  • Fieber, das über 24 Stunden verschwunden ist und wiederkehrt oder Fieber, das länger als 72 Stunden andauert sollte Grund für einen Arztbesuch sein. Wenn Ihr Kind früher schon einmal Fieberkrämpfe gehabt hat, so sollten frühzeitig fiebersenkende Medikamente gegeben werden.

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Glasprobe

Fester Druck mit einem durchsichtigen Glas auf die einzelnen Flecken des Ausschlags führt zu einem deutlichen Abblassen. Bleibt die Intensität der Flecken trotz Druck mit dem Glas bestehen, ist dies möglicherweise ein Hinweis auf eine Hautblutung. Suchen Sie sofort einen Arzt auf!

© DDr. Peter Voitl

Weiterführende Lexikoneinträge:

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 30. Mai 2003 erstellt.

Der Inhalt dieser Seite wurde am 18. Juli 2011 letztmalig geändert.