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Hodenhochstand

Der Hodenhochstand (Maldescensus, Kryptorchismus) ist eine häufige Erkrankung bei Kindern. Kennzeichen ist, dass der Hoden nicht im Hodensack, sondern in der Leiste oder sogar in der Bauchhöhle liegt und nicht tastbar ist. Falls Sie bei Ihrem Kind die/den Hoden nicht tasten können, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen!

Die Häufigkeit des Hodenhochstands beträgt etwa vier Prozent, bei Frühgeborenen mit einem Gewicht unter 1.000 g sogar um 60 Prozent. Generell können etwa 75 Prozent der hochstehenden Hoden die reguläre Position im Hodensack noch von selbst erreichen.

Ursachen

Als Ursache werden unterschiedliche Mechanismen angesehen. Ein hormonales Steuerungsproblem z.B. durch eine Mangel an Gonadotropinen, nervale Fehlsteuerung, mangelhafte Funktion des anatomischen Führungsbandes oder ein reduzierter Druck im Bauchraum im Rahmen von Fehlbildungen spielen eine Rolle.

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Diagnose

Wenn der Hoden nicht sichtbar bzw. tastbar im Hodensack ist, besteht der Verdacht auf einen Hodenhochstand. In der Diagnostik spielt auch die Ultraschalluntersuchung heute eine wesentliche Rolle.

Liegt der Hoden im Bauch, wird meist eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) durchgeführt. Die Lage des Hodens, sein Verhältnis zum Nebenhoden und das Aussehen der Samenstranggebilde können gut beurteilt werden.

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Pendelhoden

Wenn der Hoden beim stehenden Kind nicht in regulärer Position ist, aber in diese herabgezogen werden kann und auch dort bleibt, spricht man vom Pendelhoden. Im warmen Bad gleiten beide Hoden in den Hodensack. Der Pendelhoden findet sich meist beidseits. Dieses Phänomen verschwindet von selbst in der Pubertät und erfordert keine Therapie.

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Komplikationen

Durch Hodenhochstand ist der Hoden einer höheren Temperatur ausgesetzt. Dies soll für die fehlende bzw. mangelnde Reifung des Hodengewebes verantwortlich sein, die Folge kann eine herabgesetzte Fruchtbarkeit sein.

Das Risiko einer bösartigen Entartung ist für einen hochstehenden Hoden um etwa das fünf- bis zehnfache erhöht. Auch die Häufigkeit eines Leistenbruches ist um 65 Prozent erhöht.

Es kann zu einer Verdrehung des hochstehenden Hodens mit nachfolgender Schädigung und Schmerzen kommen. Diese Hodentorsion findet sich überdurchschnittlich häufig bei hochstehenden Hoden; ursächlich ist die fehlende oder mangelhafte Fixation.

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Therapie

Die medikamentöse Therapie mit Hormonen, wie z.B. HCG oder LHRH, hat die größten Erfolgschancen, wenn ein beidseitiger Hodenhochstand vorliegt. Die Hormongabe hat aber auch dann Vorteile, wenn sie zu keiner Lageveränderung des Hodens geführt hat, da die Reifung des Hodens begünstigt wird.

Die operative Behandlung erfolgt durch die so genannte Orchidolyse und Orchidopexie (Fixation im Hodensack). In den letzten Jahren wurde der optimale Operationszeitpunkt um das erste Lebensjahr festgelegt, da danach die Fruchtbarkeit sukzessive beeinträchtigt wird. Hier spielen die „Überwärmung“ des Hodens und auch immunologische Vorgänge eine Rolle.

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Postoperative Komplikationen

Die schwerste Komplikation ist die Hodenschrumpfung (Atrophie), die aber selten ist. Verursacht wird sie durch direkte Verletzung der Hodengefäße.

© DDr. Peter Voitl

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 23. April 2007 erstellt.

Der Inhalt dieser Seite wurde am 25. Juli 2011 letztmalig geändert.