Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Sprungmarken im Text
- Was ist Kinderlähmung?
- Wie wird Kinderlähmung übertragen?
- Welche Anzeichen für Kinderlähmung gibt es?
- Wie erfolgt die Diagnosestellung?
- Wie kann man Kinderlähmung vorbeugen?
- Wie ist die Prognose?
- Post-Polio-Syndrom
Was ist Kinderlähmung?
Kinderlähmung, auch Poliomyelitis oder kurz Polio genannt, ist eine akute fieberhafte Virusinfektion. Der Erreger befällt bevorzugt die motorischen Nervenzellen im Rückenmark, die für die Kontrolle der Muskulatur zuständig sind. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung leicht, ähnlich einem grippalen Infekt.
Leider kann es bei einer Polio-Erkrankung zu bleibenden Lähmungen der unteren Extremitäten kommen, in seltenen Fällen auch zum Tod. Zu den namengebenden Lähmungen kommt es aber nur in weniger als 1% der Fälle. Durch flächendeckende Schutzimpfungen konnte die Kinderlähmung in den Industrieländern fast ausgerottet werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet in den nächsten Jahren mit der weltweiten Ausrottung der Poliomyelitis.
Wie wird Kinderlähmung übertragen?
Die Infektion mit dem Polio-Virus erfolgt als Tröpfcheninfektion oder fäkal-oral. Das bedeutet, die Erreger werden mit dem Stuhl ausgeschieden, können in den Nahrungskreislauf gelangen und werden mit der Nahrung wieder aufgenommen.
Eltern infizierter Säuglinge sind auch gefährdet, beispielsweise durch das Windelwechseln. Schon wenige Stunden nach der eigenen Ansteckung kann eine Person infektiös sein und das etwa drei bis sechs Wochen lang.
Welche Anzeichen für Kinderlähmung gibt es?
Der Verlauf der Krankheit ist phasenweise.
- In der ersten Phase der Erkrankung (sieben bis vierzehn Tage nach der Ansteckung) kommt es zu einer Vermehrung der Viren im Körper. Dabei zeigen sich unspezifische Krankheitssymptome ähnlich einer Grippe. In den meisten Fällen endet die Krankheit mit dem Abklingen dieser Anzeichen.
- Nach einem beschwerdefreien Intervall von zirka einer Woche kommt es in nur 5 bis höchstens 10% aller Fälle zum Eindringen des Erregers in das zentrale Nervensystem (zweite Krankheitsphase). Folge davon ist eine Hirnhautentzündung, die zu motorischen Störungen bis hin zu Muskellähmung führen kann.
- In seltenen Fällen kann es zu einer Entzündung der basalen Hirnareale kommen. Lähmungen der Nerven, die für das Schlucken, die Atmungs- und Kreislaufregulationen zuständig sind, können auftreten. Diese Form der Kinderlähmung ist besonders bedrohlich.
Symptome der ersten Krankheitsphase
- Fieber, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen können auftreten
- auch wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Kopf- und Gliederschmerzen
Symptome der zweiten Krankheitsphase
- Fieber um 39° C
- Kopfschmerzen
- steifer Nacken
- Rückenschmerzen und Muskelschmerzen.
In dieser Phase kommt es zu schlaffen, asymmetrischen Lähmungen, vor allem an den Beinen, mit zunehmendem Muskelschwund, Beinverkürzungen oder Versteifungen. Gefühlsstörungen sind nicht Teil der Symptomatik.
Wenn Ihr Kind diese Anzeichen hat, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen!
Wichtig!
In der ersten Krankheitsphase kann jede zusätzliche Belastung des Organismus wie körperliche Anstrengungen, Wunden, Impfungen, Mandeloperationen und anderes zum Ausbruch der Lähmungserscheinungen führen.
Wie erfolgt die Diagnosestellung?
Im Anfangsstadium kann die Diagnosestellung schwierig sein, da die Erkrankung grippeähnliche Symptome aufweist. Eine gesicherte Diagnose kann nur durch Anzüchtung der Viren aus der Stuhlprobe, aus Rachenwasser oder aus der Rückenmarksflüssigkeit sowie durch den Nachweis von Antikörpern gegen das Virus im Blut erfolgen.
Wie wird Kinderlähmung therapiert?
Die Therapie ist rein symptomatisch, da der Erreger nicht direkt bekämpft werden kann. Bei einer Poliomyelitis ohne Lähmungserscheinungen ist die Krankenhausbehandlung nicht unbedingt erforderlich.
Sobald Lähmungserscheinungen aufgetreten sind, ist eine Behandlung im Krankenhaus unabdingbar, da es oft auch zu quälenden Schmerzen oder Schluck- und Atemlähmung kommen kann.
Wie kann man Kinderlähmung vorbeugen?
Die einzige wirksame Vorbeugung ist die Impfung. Seit 1998 wird jetzt mit einem Impfstoff aus abgetöteten Viren geimpft. Die Schluckimpfung mit inaktivierten, aber lebenden Viren wird nicht mehr empfohlen, da es in sehr seltenen Fällen zu einer „Impf-Kinderlähmung“ gekommen war.
Um einen vollständigen Impfschutz zu erhalten, muss die Impfung mehrmals durchgeführt werden. Die erste Impfung kann ab dem dritten Lebensmonat durchgeführt werden und gehört zu den empfohlenen Standardimpfungen, die Kinder im Rahmen der Routine-Untersuchungen beim Kinderarzt erhalten.
Besonders vor Auslandsreisen in weniger entwickelte Länder ist darauf zu achten, ob Ihr Kind – und auch Sie selbst – noch ausreichend gegen Polio geschützt sind. Die Ansteckungsgefahr ist in diesen Ländern um ein Vielfaches höher als in Westeuropa.
Wie ist die Prognose?
Infektionen, die Lähmungserscheinungen verursachen, enden in 2-20% aller Fälle tödlich. Etwa die Hälfte der Patienten, die während der Krankheit Lähmungserscheinungen zeigen, behalten Restlähmungen unterschiedlichen Ausmaßes zurück.
Post-Polio-Syndrom
Dies ist eine häufige, in ihrer Ursache noch ungeklärte Spätfolge. Dabei treten nach einem oft jahrzehntelangen beschwerdefreien Zeitraum erneut Beschwerden auf wie Schmerzen, zunehmende Schwäche (auch in vormals nicht betroffenen Muskelgruppen), Muskelabbau (Atrophie) und schnelle Ermüdbarkeit.
© Dr. Edgar Tichatschek
Verwandte Lexikoneinträge:
Erstellung und Änderungen
- Inhalt erstellt am:
- 2. Juni 2003
Seite durchsuchen
Online Service
- Termine
- Termin-Storno
- Rezepte
- Überweisungen
- Pflegefreistellungen
- Babypass
- Kontakt
- Newsletter abonnieren
Externe Services
Link öffnet sich in einem neuen Fenster.
Das Buch
HON-Zertifizierung
Wir befolgen den
HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen. Kontrollieren Sie dies hier




