Masern (Morbilli) bei Kindern
Sprungmarken im Text
- Wie werden Masern übertragen?
- Wie sind die Symptome?
- Welche Besonderheiten sind zu erwähnen?
- Welche Komplikationen kann es geben?
- Wie ist die Therapie?
- Was können Sie selbst tun?
- Wie ist die Prognose?
- Was können Sie vorbeugend tun?
Masern sind eine durch das Masernvirus verursachte, weltweit vorkommende Infektionskrankheit. Masern sind nicht harmlos. Nach Schätzungen der WHO sterben jedes Jahr ca. 1 Million Menschen an den Folgen einer Masernerkrankung.
Masern kann man nur einmal haben. Bei etwa jedem siebenten Kind kommt es zu Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen, es kann selten aber auch zu Entzündungen des Gehirns kommen. Die unkomplizierte Masernerkrankung verläuft in den Industrienationen nicht tödlich, treten allerdings Komplikationen auf, führt dies zu einem sprunghaften Anstieg der Sterblichkeit.
1995 starben eine Million Kinder an Masern (bei schätzungsweise 42 Millionen Erkrankungsfällen). Die Masernschutzimpfung hätte diese Kinder am Leben erhalten können. Auch in Ländern mit einem hohen medizinischen Standard stirbt leider immer noch eines von 1.000 erkrankten Kindern!
Wie werden Masern übertragen?
Das Masernvirus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen – also von Mensch zu Mensch beim Niesen, Husten oder Sprechen. Alle Personen, die noch nie mit dem Masern-Virus infiziert wurden, können sich mit Masern anstecken. Säuglinge bis zu einem Alter von etwa sechs Monaten sind durch Antikörper der Mutter geschützt – vorausgesetzt, die Mutter hat einen Schutz gegen Masern.
Die Inkubationszeit – von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit – beträgt etwa zehn bis zwölf Tage. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt vier bis fünf Tage vor dem Auftreten des Ausschlags. Erst wenn der Ausschlag wieder verschwunden ist, besteht kein Infektionsrisiko mehr.
So gut wie jeder nicht geimpfte Mensch, der Kontakt mit einem Masernkranken hat, wird auf Grund der starken Ansteckungsfähigkeit der Masernviren infiziert. Dabei muss es nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Masern kommen, jedoch entwickelt das Immunsystem in fast jedem Fall Abwehrstoffe, so genannte Antikörper, gegen das Virus. Auf diese Weise wird man gegen die Krankheit immun. Die Masern-Antikörper werden auch nach der Masernschutzimpfung gebildet und schützen so vor einer Erkrankung. Daher finden sich bei fast allen Erwachsenen Masern-Antikörper.
Wie sind die Symptome?
Die ersten Anzeichen sind Symptome wie bei einer schweren Erkältung mit Schnupfen und trockenem Husten. Diese „katarrhalische“ Phase dauert etwa vier Tage an. Begleitet von einer Bindehautentzündung mit geschwollenen, geröteten und tränenden Augen empfindet Ihr Kind das Tageslicht als schmerzhaft.
Zwei bis drei Tage danach sieht man auf der Mundschleimhaut gegenüber den Backenzähnen weiße Flecken, die sogenannten „Koplik’schen“ Flecken, die kennzeichnend für Masern sind. Fieberschübe bis 41°C können auftreten.
Der Ausschlag beginnt mit dunkelroten, großen unregelmäßig begrenzten Flecken hinter den Ohren, breitet sich dann über Gesicht und Hals auf den ganzen Körper aus. Etwa am 4.Tag des Ausschlags beginnt das Fieber zu fallen. Meistens juckt der Ausschlag nicht, die Haut schuppt sich.
Der Ausschlag verschwindet relativ rasch, manchmal bleiben für ein bis zwei Wochen noch bräunliche Flecken auf der Haut, diese sind aber kein Grund zur Beunruhigung.
Es gibt auch abgeschwächte (abortive) Masern, vor allem bei Säuglingen ab dem 7.Monat, in seltenen Fällen auch bei geimpften Kindern. Die Erkrankung kann von geschwollenen, empfindlichen Lymphknoten am Hals und Halsschmerzen begleitet sein. Erst ein bis zwei Wochen nach Ausbruch des Ausschlages ist ein Kindergarten- oder Schulbesuch wieder ratsam. Masern hinterlassen eine lebenslange Immunität.
Welche Besonderheiten sind zu erwähnen?
Säuglinge von Müttern, die entweder Masern hatten oder geimpft wurden, sind bis zum 6.Lebensmonat durch die mütterlichen Antikörper vor einer Maserninfektion geschützt. Vom 14.Monat an ist eine Impfung möglich, die üblicherweise gemeinsam mit der gegen Mumps und Röteln gegeben wird. Die Auffrischung wird nach dem fünften Geburtstag empfohlen. Die Diskussion über Nutzen und Risiken von Impfungen bei Kindern wird gerade bei der Masern-Impfung (ein Lebendimpfstoff) intensiv geführt.
Man schätzt, dass es etwa pro 100.000 Impfungen zu einer Impfnebenwirkung kommt, wobei in dieser Zahl auch geringfügige Zwischenfälle wie z.B. eine Hautrötung an der Injektionsstelle, eingeschlossen sind. Bei einer Masernerkrankung rechnet man etwa mit 1 Todesfall pro 50.000 Erkrankungsfällen, bei einer Impfung mit etwa 1 Todesfall auf 500.000 Impfungen.
Welche Komplikationen kann es geben?
Säuglinge und Erwachsene tragen ein hohes Komplikationsrisiko.
Komplikationen können umfassen
- Mittelohrentzündung
- Lungenentzündung
- Hirnhautentzündung
- „Schwarze Masern“ mit Blutungen aus Nase, Mund und Darm
- Gehirnentzündung (Enzephalitis) – dies tritt nur einmal unter tausend Fällen auf, hat aber bei über einem Fünftel aller Betroffenen tödliche Folgen. In den anderen Fällen führt die Gehirnentzündung (bei 30 bis 40% der Patienten) zu Hörverlust und bleibender geistiger Behinderung.
- Entzündung der Hornhaut des Auges mit möglichen Gesichtsfeldeinschränkungen bis zum Sehverlust (Keratitis mit Ulzeration) ist in einigen Fällen möglich
- Rasch verlaufende toxische Masern mit blutendem Ausschlag, Schleimhautblutungen, lang andauerndem hohem Fieber und Krämpfen. Diese Masernform ist sehr selten, verläuft aber oft tödlich. Sie kommt hauptsächlich bei abwehrgeschwächten Personen vor.
Wie ist die Therapie?
Allgemein fiebersenkende Maßnahmen, reichlich Flüssigkeit. Antibiotika helfen bei Masern nicht. Sprechen Sie die Einnahme von Medikamenten mit dem Arzt ab. Bei Auftreten einer Hirnhautentzündung oder anderer Komplikationen ist eine Spitalsbehandlung nötig.
Was können Sie selbst tun?
Bettruhe hilft dem Körper, alle Reserven für die Krankheitsabwehr einzusetzen. Wadenwickel sind ein gutes Mittel, das Fieber sanft zu senken, aber nur anzuwenden, wenn Hände und Füße des Kindes warm sind. Ein abgedunkeltes Zimmer schont die schmerzenden Augen, das kranke Kind kann auch eine Sonnenbrille tragen. Isolieren Sie Ihr Kind, damit sich andere nicht anstecken.
Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, da durch das Fieber ein hoher Wasserverlust im Körper entsteht.
Wie ist die Prognose?
Die meisten Masernerkrankungen verlaufen ohne Komplikationen. Zu den häufigsten Komplikationen zählen Mittelohr- und Lungenentzündungen.
Was können Sie vorbeugend tun?
Die Schutzimpfung gegen Masern ist unbedingt empfohlen. Laut österreichischem Impfplan werden Kinder erstmals im Alter von 14 Monaten und nochmals im 2. Lebensjahr geimpft. Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Bei Menschen, die noch nicht gegen Masern immun sind, lässt sich die Krankheit bis zum vierten Inkubationstag durch Immunglobuline verhindern oder abschwächen.
© Dr. Peter Voitl & Dr. Edgar Tichatschek
Verwandte Lexikoneinträge:
- Fieber - Allgemeine Information
- Fieber - Wissenswertes für Eltern fiebernder Kinder
- Fieberkrämpfe
- Impfungen
Erstellung und Änderungen
- Inhalt erstellt am:
- 7. Oktober 2003
Seite durchsuchen
Online Service
- Termine
- Termin-Storno
- Rezepte
- Überweisungen
- Pflegefreistellungen
- Babypass
- Kontakt
- Newsletter abonnieren
Externe Services
Link öffnet sich in einem neuen Fenster.
Das Buch
HON-Zertifizierung
Wir befolgen den
HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen. Kontrollieren Sie dies hier




