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Schulfähigkeit

Per Definition zeichnet sich Schulreife dadurch aus, dass ein Kind in Gemeinschaft Gleichaltriger in der Lage ist, sich durch planmäßige Arbeit Wissen anzueignen. Das Kind soll also aufgrund seines körperlichen, emotionalen, sozialen und geistigen Entwicklungsstandes am Unterricht in der Klassengemeinschaft ohne Überforderung teilnehmen können.

Körperliche Fähigkeiten sind:

  • Steuerung und Beherrschung des eigenen Körpers,
  • Selbständigkeit in der Alltagsroutine,
  • längeres Stillsitzen (überschaubare Aufgabe beenden),
  • gewisse Balancefähigkeit (10 Sekunden auf einem Bein stehen, auf Band gehen),
  • Nachahmen von Bewegungen,
  • feinmotorische Bewegungskontrolle (richtige Bleistifthaltung, gesteuerte Linienführung, wirklichkeitsgerechte, detailreiche Abbildungen),
  • gezielte Anspannung und Entspannung.

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Die emotional-sozialen Fähigkeiten umfassen:

  • Mehrstündige Trennung von Familie ohne Angst und Unbehagen (Kindergartenerfahrung ist günstig),
  • gewisse Distanz zu Fremden,
  • Eingliederung in größere Gemeinschaft, Zurückstellen eigener Bedürfnisse,
  • Rücksichtnahme,
  • Selbstständigkeit (selbstverantwortliches Erledigen von „fremdgestellten Aufträgen“),
  • Verständnis und Akzeptieren von Regeln (Gesellschaftsspiele),
  • willkürliche Aufmerksamkeitszuwendung,
  • Arbeitshaltung: Ausdauer, Konzentration, Sorgfalt (Spiele, die über Anstrengung zu Erfolg führen, z.B. Puzzle, sortieren; Lernfreude fördern über Erfolgserlebnisse, Anerkennung und Wertschätzung, Grenzen und Konsequenzen erfahren lassen).

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Erwartete kognitive Fähigkeiten sind:

  • Wahrnehmung:
    Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden, realistische Einstellung zur Umwelt entwickeln, Farben, Formen und Geräusche unterscheiden, Größen und Mengenverhältnisse unterscheiden, Durchgliederung/analytische Auffassung vorhanden, Symbolverständnis vorhanden, optische Differenzierung und grafische Nachahmung möglich.

  • Vorstellung: Phantasie im Rollenspiel.

  • Wiedererkennen, Merkfähigkeit, Gedächtnis:
    Nachsprechen und -erzählen, optisches Differenzieren und Merken, zeitliche Beziehungen einprägen.

  • Denken: schlussfolgerndes Kombinieren, Kritikfähigkeit (verbale, optische Sinnwidersprüche).

  • Sprache: Abbau der Sprachscheu, Anhören, Verstehen, Nacherzählen, Erweiterung des Wortschatzes und der Sprachflüssigkeit.

Für die weitere Entwicklung des Kindes ist der richtige Zeitpunkt zum Schuleintritt von elementarer Bedeutung, dem trägt aber der Staat insofern keine Rechnung, weil das Schuleintrittsalter per Gesetz und damit unabhängig von den individuellen Bedürfnissen des Kindes festgelegt ist.

Fehlende Reife zeigt sich dann oft erst in den ersten Unterrichtswochen. Allerdings gibt es in manchen Schulen noch eine Vorschulklasse, die für noch unreife Kinder gut geeignet ist und gegebenenfalls bereits im Vorfeld in Erwägung gezogen werden sollte.

© DDr. Peter Voitl

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 2. September 2013 erstellt.

Der Inhalt dieser Seite wurde am 4. August 2014 letztmalig geändert.