Stillen
Sprungmarken im Text
- Zu Beginn
- Die Zusammensetzung der Muttermilch
- Wie legt man das Baby an?
- Nimmt das Baby die Brust richtig an?
- Wie kriegt man das Baby dazu, von der Brust abzulassen?
- Wie funktioniert die Milchproduktion?
- Wie sehe ich, ob mein Baby genügend Milch bekommt?
- Schadstoffe in der Muttermilch
- Ernährung während des Stillens
- Wie kriege ich mehr Milch?
- Mamas Ruhepausen
- Sehr volle oder schmerzhafte Brust (Milchstau)
- Wunde Brustwarzen
Stillen ist das Beste fürs Baby und meist auch das Angenehmste für die Mutter. In den ersten Wochen stillen nahezu alle Frauen, doch danach nimmt die Stillhäufigkeit ab.
Zu Beginn
Wenn Sie Ihr Baby stillen wollen, informieren Sie sich schon vor der Geburt. Befragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme oder – besser noch – Freundinnen oder Frauen aus Ihrem Bekanntenkreis, die schon Kinder gestillt haben. Sie können auch Bücher oder Zeitschriften lesen oder Informationen aus dem Internet holen.
Als Lektüre eignet sich besonders
„Das Stillbuch“ von Lothrop & Ingrid Schröder
383 Seiten, Kösel 2001, ISBN: 346634431X.
Das Stillen beginnt unmittelbar nach der Geburt. Es ist mittlerweile üblich, das Neugeborene gleich nach der Geburt der Mutter auf den Bauch zu legen. Dies ist der erste Nahkontakt und für das Stillen sehr wichtig. Im Anschluss an die Geburt ist das Kind meist wach und sucht eifrig nach der Brustwarze, um zu saugen.
Hilft man dem Neugeborenen, indem man es sanft unter den Fußsohlen unterstützt, kann es vom Bauch der Mutter an die Brust robben. Hier sucht es eifrig nach der Brustwarze und saugt, sobald es sie findet. Es ist wichtig, die Brust bald zu stimulieren, da die Milchmenge davon abhängt, wie oft das Baby trinkt.
Die Zusammensetzung der Muttermilch
Nach der Geburt, wenn Sie Ihr Baby anlegen, erhält es eine gelbe, dickflüssige Muttermilch, das Kolostrum (Vormilch). Es enthält im Vergleich zur reifen Muttermilch mehr Proteine und Mineralien, weniger Fett, jedoch mehr fettlösliche Vitamine und IgA (Immunglobulin A). Das IgA kleidet die Darmwand aus und schützt so, gemeinsam mit anderen Immunfaktoren, Ihr Neugeborenes. Das Kolostrum hilft, den Mekonium (Darminhalt vor Geburt, auch Kindspech genannt) auszuscheiden, es ist reich an Eiweißen und Abwehrstoffen und beugt Krankheiten vor.
Wenn Sie in den ersten Tagen Ihr Baby öfters anlegen, umso schneller bildet sich die sogenannte Übergangsmilch. Die Übergangsmilch entsteht während des 7. bis 14. Lebenstages Ihres Babys. In dieser Zeit ändert sich auch schon die Zusammensetzung der Muttermilch zum ersten Mal. Der Gehalt an Proteinen und Immunglobulinen sinkt, der Fett- und Milchzuckergehalt (Laktose) in der Muttermilch steigen an.
Die reife Muttermilch (sogenannte Frauenmilch) wird im Anschluss gebildet. Der Hauptbestandteil dieser Muttermilch ist Wasser. Zu Beginn der Stillmahlzeit ist die Muttermilch durstlöschend, der nachfolgende Anteil ist kalorienhältig und sättigend. Ihr Baby sollte also so lange an einer Brustseite trinken, bis es ausreichend Kalorien zu sich genommen hat. Trinkt es nur kurz, dann ist der Hunger auch noch nicht gestillt. Während eines heißen Sommertages wird es öfter für kurze Zeit bei Ihnen trinken, um den Durst zu stillen. Sie brauchen dann keine zusätzliche Flüssigkeit (Tee oder Wasser) zu geben.
Die Muttermilch für Frühgeborene enthält mehr Eiweiß als die Muttermilch von vollausgetragenen Säuglingen. In der Zeit des eigentlichen Geburtstermins passt sich der Eiweißgehalt des Frühgeborenen der „reifen“ Muttermilch an.
Wie legt man das Baby an?
Es ist wichtig, gut und entspannt zu sitzen. Ihr Rücken und Ihre Arme sollten gut unterstützt sein, stellen Sie ein Getränk in Reichweite (stillen macht durstig). Das Baby sollte mit seinem Bauch an Ihrem Bauch anliegen und sein Kopf sollte ein wenig nach hinten gebeugt sein. So bleibt seine Nase frei.
Die meisten Säuglinge saugen eifrig, sobald sie die Brustwarze an ihrer Wange spüren. Reagiert Ihr Kind nicht oder ist es schläfrig, kann man den Saugreflex stimulieren, indem man dem Baby sanft mit der Fingerspitze über die eine Wange und die Lippen streicht.
Das Baby dreht daraufhin den Kopf zur gestreichelten Seite und sucht mit offenem Mund die Brust. Es ist sehr wichtig, nicht über beide Wangen zu streichen, da dies das Baby verwirrt. Wenn Sie das Gefühl haben, dass das Kind langsam trinkt oder beim Stillen einschläft, können Sie es so stimulieren.
Das Baby sollte so lange wie möglich an der ersten Brust trinken, bevor man zur anderen wechselt.
Nimmt das Baby die Brust richtig an?
Um richtig saugen zu können, muss das Baby die Brustwarze richtig im Mund haben, und zwar die ganze Brustwarze mit dem dunklen Ring, der sie umgibt. Ist dies nicht der Fall, kann das Baby kein Vakuum zwischen seiner Zunge und dem weichen, hinteren Teil des Gaumens erzeugen.
Saugt das Baby nur am äußersten Teil der Brustwarze, kann es die Brust nicht vollends entleeren und die Brustwarze wird wund. Um das Baby erneut anzulegen, stimulieren Sie es leicht mit dem kleinen Finger am Mundwinkel, hierdurch lässt es von der Brust ab. Lassen Sie es seinen Mund weit öffnen (streichen Sie ihm leicht über die Wange) und legen Sie es erneut an.
Sie können stillen, solange es Ihnen und Ihrem Kind Freude macht – eine schrittweise Entwöhnung hat sich allerdings bewährt. Ein gestilltes Kind braucht 4-6 Monate keine andere Nahrung, im Gegenteil, das Allergierisiko steigt durch Zufütterung von adaptierter Pulvermilch.
Noch ein Vorteil des Stillens – Frauen die lange gestillt haben, haben ein geringeres Risiko an Brustkrebs zu erkranken.
Wie kriegt man das Baby dazu, von der Brust abzulassen?
Es ist eine gute Idee, zu üben, wie man Pausen beim Stillen einlegt. Zieht man das Baby einfach weg, während es saugt, werden die Brustwarzen schnell sehr wund. Statt dessen kann man sanft den kleinen Finger in Babys Mundwinkel einführen. Hierdurch hebt man das Vakuum im Mund des Kindes auf und es öffnet reflektorisch den Mund.
Wie funktioniert die Milchproduktion?
Lassen Sie Ihr Kind nach der Geburt so früh wie möglich an Ihrer Brust saugen. Das Saugen bewirkt
- Ausschüttung der Hormone Oxytocin (Liebeshormon) und Prolactin (wirkt entspannend)
- rasches Ingangkommen der Milchproduktion (Prolactin)
- Erleichterung des Milchflusses (Oxytocin) und
- Rückbildung der Gebärmutter (Oxytocin) – durch Nachwehen.
Die Menge der produzierten Milch hängt davon ab, wie häufig das Baby gestillt wird. Das Stillen bewirkt, dass Hormone von der Hirnanhangdrüse der Mutter freigesetzt werden. Sie heißen Oxytozin und Prolaktin. Oxytozin bewirkt, dass die Milchdrüsen sich zusammenziehen und die Milch so durch die Milchgänge in Babys Mund fließt.
Viele Frauen spüren hierbei ein Prickeln oder Drücken in der Brust, meist zu Beginn des Stillens. Prolaktin ist für die Menge der produzierten Milch verantwortlich. Je öfter das Baby saugt, desto mehr Prolaktin wird freigesetzt und dadurch mehr Milch produziert. Es ist also durchaus steuerbar, wie viel Milch man hat, je nachdem wie oft man stillt. Es dauert allerdings einige Tage bis Wochen, bis sich die Hormonbalance eingestellt hat.
Wie sehe ich, ob mein Baby genügend Milch bekommt?
Einige gute Richtlinien hierzu sind folgende
- Das Baby nässt täglich 6-8 Windeln gut durch.
- Das Baby trinkt in zwei- bis dreistündigen Intervallen oder mehr.
- Das Baby sieht gut aus, hat eine gesunde Farbe und ist kräftig.
- Die Gewichtszunahme des Babys beträgt pro Woche 120-200g.
Milch wird fortlaufend gebildet. Nach ½ Stunde ist die Menge, die das Kind getrunken hat, wieder nachproduziert. Wachstumsschübe des Babys – mit ca. 2 Wochen, 6 Wochen und 3 Monaten – sind Zeiten, in denen das Kind sehr viel öfter nach der Brust verlangt.
Die Milchproduktion hat nichts mit der Größe der Brüste zu tun, da sowohl kleine als auch große Brüste so gut wie gleich viele Milchdrüsen enthalten. Es ist die Menge des Fettgewebes, die den Größenunterschied ausmacht.
Schadstoffe in der Muttermilch
Es herrscht eine gewisse Verunsicherung darüber, in welchem Ausmaß Schadstoffe aus der Umwelt über die Ernährung der Mutter in die Muttermilch gelangen.
Muttermilch ist „trotz einer gewissen vorhandenen Schadstoffbelastung“ noch immer die beste Ernährung eines Säuglings. Viele wichtige Bestandteile der Muttermilch sind künstlich nicht herstellbar. Dennoch ist sicherlich eine Belastung gegeben, durch Umweltsschadstoffe ebenso wie durch Genussmittel (Kaffee oder Rauchen der Mutter).
Es besteht für stillende Frauen die Möglichkeit, ihre Muttermilch auf mögliche Schadstoffe hin untersuchen zu lassen. Auskünfte hierzu erteilt in Österreich der Milchwirtschaftsfonds.
Ernährung während des Stillens
Sehr wichtig ist es, viel zu trinken. Versuchen Sie, sich vollwertig, abwechslungsreich, ausgewogen und frisch zu ernähren und während der Stillzeit möglichst nicht zu rauchen sowie übermäßigen Genuss von Alkohol oder Koffein zu vermeiden. Zitrusfrüchte, Steinobst und blähendes Gemüse sollten nur in Maßen genossen werden.
Wie kriege ich mehr Milch?
Der beste Rat ist häufiges Stillen. Das Baby sollte so lange trinken, wie es will. Auch Ausruhen und Entspannen ist wichtig, vor allen Dingen, wenn Sie meinen, Ihre Milchproduktion nimmt ab.
Es ist günstig, etwa alle 10 Minuten die Brust zu wechseln, um das Baby zu stimulieren. Ist es schläfrig, sollte es beim Stillen wach gehalten werden. Geben Sie bei jedem Stillen beide Brüste, hierdurch gehen Sie sicher, dass Ihr Baby alle Milch bekommt, die zur Verfügung steht und gleichzeitig regen Sie so Ihre Milchproduktion an. Stillen ist und bleibt das Beste für Ihr Kind.
Gibt man Saft, Brei oder Flaschenmilch zu, wird es schneller satt und verliert die Lust zu saugen. Darüber hinaus kann die Flasche das Baby verwirren, da die Saugtechnik bei Brust und Flasche nicht die gleiche ist. Braucht Ihr Baby extra Flüssigkeit, geben Sie ihm abgekochtes Wasser oder Fencheltee.
Die Lagerfähigkeit sauber gewonnener Muttermilch beträgt ohne Kühlung 6-8 Std., im Kühlschrank bis zu 72 Std., tiefgekühlt 3-6 Monate. Bitte die Muttermilch nur im Wasserbad erwärmen, nicht in der Mikrowelle!
Mamas Ruhepausen
In den ersten Wochen werden Sie nachts nicht durchschlafen können. Legen Sie sich untertags so oft wie möglich hin.
- Hausarbeit kann warten
- das erste „Nachfeiern“ ist oft der Anfang vom Ende des Stillens.
Denken Sie auch an sich selbst. Sie sind es, die die Milch produziert, ernähren Sie sich daher gesund und trinken Sie reichlich, z.B. Wasser oder Saft. Trinken Sie etwas, während Sie stillen. Entspannen Sie sich und gönnen Sie sich Pausen. Ihre Milchproduktion funktioniert besser, wenn Sie entspannt und ausgeruht sind. Schläft Ihr Baby, sollten auch Sie sich ausruhen.
Sehr volle oder schmerzhafte Brust (Milchstau)
- warme Dusche oder warmer Waschlappen vor dem Stillen helfen
- vor dem Stillen etwas Milch ausstreichen, um das Ansaugen zu erleichtern, evtl. mit Milchpumpe (Medela, Ameda) entleeren
- das Kind häufiger an die betroffene Brust legen und darauf achten, dass diese leer getrunken wird
- Eis- oder Topfenwickel nach dem Stillen auflegen
- Brustmassage kann helfen
- verschiedene Stillpositionen ausprobieren
- Sie brauchen viel Ruhe, legen Sie sich öfters hin.
Wunde Brustwarzen
Empfindliche Brustwarzen in den ersten Tagen sind normal. Damit die Brust nicht so leicht wund wird, gehen Sie zu kurzem, häufigem Stillen über. Waschen Sie die Brust nur mit Wasser (ohne Seife) und lassen Sie so oft es geht Luft und Sonne an die Brust.
Es hilft auch, etwas ausgedrückte Milch auf der Warze trocknen zu lassen, die Stillpositionen häufig zu wechseln und luftdurchlässige Kleidung zu tragen.
© Dr. Peter Voitl
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Erstellung und Änderungen
- Inhalt erstellt am:
- 13. Januar 2007
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