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Stuhlgang / Verstopfung

Frage von: adea

Frage:

Sehr geehrter Dr. Voitl, meine Kleine hat sehr harten Stuhlgang, manchmal blutig wegen dem Riss im After. Ich war auch schon beim Kinderarzt,  der hat mir Lactulose gegeben. Er hat gemeint, dass das mit der Zeit besser wird. Aber bis jetzt hat es sich nichts verändert. Ich hoffe,  Sie können mir weiter helfen. Mit freundlichen Grüßen

Antwort:

Verstopfung kann vielfältige Ursachen haben und sollte deshalb durch eine ärztliche Untersuchung abgeklärt werden. Oft liegt der Grund in einer falschen Ernährung; auch viel Trinken ist wichtig für eine gute Verdauung. Manchmal führt eine Nahrungsumstellung bei Säuglingen zeitweilig zu einer Verstopfung. 

Verstopfung kann auch Folge einer schmerzhaften Darmentleerung sein, wodurch das Kind Angst vor dem Stuhlgang entwickelt und den Stuhl zurückhält. Dadurch wird der Stuhl ins kleine Becken zurückgezogen, wo er keinen Reiz mehr hervorruft und sich zu einer harten Masse eindicken kann, die dann umso größere Schmerzen verursacht bzw. die Angst noch mehr steigert. Hierdurch befindet man sich in einem wahren Teufelskreis.

Empfohlene Untersuchungen

Organische Ursachen sollten immer ausgeschlossen werden, wobei die genaue Krankheitsgeschichte (Anamnese) und eine kinderärztliche Untersuchung meist ausreichend sind. Üblicherweise werden keine weiteren Untersuchungen empfohlen.

Substanzen, die den Stuhl weich machen wie z.B. Macrogol (Movicol) können mit sehr gutem Erfolg verwendet werden. Auch dieses Präparat bindet Wasser im Darm, hat aber den Vorteil einer weitgehenden Geschmacksfreiheit. Wichtig ist es, die Therapie ausreichend lange und konsequent durchzuführen, bis das Kind sich an eine schmerzfreie Darmentleerung gewöhnt hat. Unterstützend kann eine schmerzlindernde Salbe (z. B. Xylocain) vor der Stuhlentleerung aufgetragen werden.

Bei älteren Kindern ist die Ernährung im Vordergrund: Die Nahrung sollte vielseitig, abwechslungsreich und ballaststoffreich sein, auch viel trinken und viel Bewegung ist wichtig. Abführmittel (Laxanzien) sind bei Kindern so gut wie nie erforderlich. Kinder, die eine psychische Problematik entwickelt haben, sollten eine psychotherapeutische Begleittherapie erhalten.

Stellt sich ein normaler Stuhlgang ein, so können alle Maßnahmen abgebaut werden, lediglich die ballaststoffreiche Ernährung sollte beibehalten werden.

Die Ernährung

Häufige Ursache für eine Verstopfung ist die falsche Ernährung, vor allem der Mangel an Ballaststoffen. Ballaststoffe sind pflanzliche Nahrungsbestandteile, die unverdaut in den Dickdarm gelangen. Da sie Wasser binden und aufquellen, lockern sie den Stuhl und regen die Darmtätigkeit an. Faserreiche Kost ist auch meist vitaminreicher, zucker- und fettärmer und enthält mehr pflanzliche als tierische Nahrungsmittel. Leinsamenbrot ist nicht ausreichend, da die darin enthaltenen Körner gebrannt sind, auch geschroteter Leinsamen hat keine Wirkung, weil Leinsamen nur solange quillt, wie die Faserkapsel intakt ist.

Zu empfehlen sind mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt, reichlich kalorienarme Flüssigkeit, vermehrte körperliche Bewegung und Stuhltraining  (regelmäßig und ohne Eile und Hektik)

Zu bevorzugen sind:

  • Reichlich Vollkornprodukte, Grahamweckerl, Naturreis, Vollkornteigwaren, Kartoffel
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. 
  • Viel Obst, vor allem Zwetschke, Birnen, Äpfel, Melone, Aprikose, Feige, Dörrobst.
  • Viel Gemüse, Salate, Rohkost, Müsli, Nüsse.

Ungünstig sind:

  • Weißbrot, Semmel, Zwieback, Striezel, Kipferl, weißer Reis, Teigwaren, Knabbergebäck, Bananen, Pudding, Cremespeisen, Kuchen, Schokolade, Toastbrot.
  • Milch- und Milchprodukte
  • Schokolade und Süßigkeiten.
  • Verwenden Sie keine Abführmittel ohne ärztliche Verordnung! 

Vorbeugung:

Die Ernährung spielt im Langzeitverlauf die wichtigste Rolle zur Vorbeugung von Rückfällen. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen!

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Der Inhalt dieser Seite wurde am 25. März 2014 erstellt.

Der Inhalt dieser Seite wurde am 29. Juli 2014 letztmalig geändert.