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AIDS und HIV bei Kindern und Jugendlichen

AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome, deutsch: „erworbenes Immundefektsyndrom“) ist eine Infektionskrankheit, die durch einen Virus (HIV) verursacht wird, der die Immunabwehr beeinträchtigt. Dadurch können Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze, aber auch bestimmte seltene Krebsarten gefährlich werden. Die Bezeichnung AIDS bezieht sich auf das späte Stadium der HIV-Infektion und bezeichnet eine spezifische Kombination von Symptomen durch die durch den Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) verursachte Beeinträchtigung des Immunsystems.

Die HIV-Infektion des Kindesalters unterscheidet sich durch die Art und den Verlauf der Infektion von der des Erwachsenen. HIV-Infektionen von Neugeborenen sind in Europa tendenziell selten geworden, da der Übertragung von der Mutter auf das Baby durch eine Kombinationstherapie aus mehreren verschiedenen Medikamenten vorgebeugt werden kann. In verschiedenen Regionen Afrikas oder Asiens, wo diese Medikamente nicht zur Verfügung stehen, ist das Problem aber nach wie vor sehr relevant.

Wenn HIV-infizierte Mütter ihre Neugeborenen stillen, ist es möglich, dass sich auch die Kinder infizieren. Nach einer Empfehlung der WHO sollte daher nicht gestillt werden, wenngleich eine aktuelle Studie in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift Lancet diese Empfehlung für Afrika relativiert; dort wurde über eine herabgesetzte Sterblichkeit bei gestillten Kindern HIV-positiver Mütter berichtet. Der Lancet-Artikel bezieht sich aber ausschließlich auf afrikanische Verhältnisse. Die Übertragung des HI-Virus erfolgt bei Erwachsenen in erster Linie durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Da aber auch verunreinigte medizinische Gegenstände bzw. Blut und Blutprodukte als Überträger in Frage kommen, sind Kinder auch auf diesem Wege gefährdet.

Das Ausmaß

Man schätzt, dass etwa 2,2 Millionen Kinder weltweit mit HIV/AIDS leben und sich täglich rund 1.750 Kinder unter 15 Jahren und mehr als 6.000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV infizieren. Etwa 15 Millionen Kinder sollen aufgrund von AIDS zu Waisen geworden sein.

Im Jahr 2008 leben etwa 12.000 bis 15.000 HIV-Infizierte in Österreich und etwa  63.500 HIV-infizierte Menschen in Deutschland, davon rund 200 Kinder. Neun von zehn HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern; nur ein Prozent aller Infizierten in Industriestaaten ist unter 15 Jahre alt (Quelle: UNICEF).

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Diagnose

Bei Erwachsenen wird der Nachweis mittels eines Antikörpertests aus dem Blut festgestellt, der aber nicht die Viren selbst nachweist, sondern lediglich die dagegen gebildeten Antikörper. Bei Kindern kann das erschwert sein, da auch nicht infizierte Säuglinge von ihren Müttern Antikörper nachweisbar haben, sodass dieser Test erst in einem Alter von über 15 Monaten aussagekräftig ist. Der direkte Nachweis des Virus mittels PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion) gilt als ein sehr zuverlässiges Verfahren, das schon nach wenigen Tagen ein Resultat liefern kann.

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Symptome

Man kann verschiedene Erkrankungsstadien unterscheiden:

  • Stadium I: Etwa 70 Prozent der Betroffenen zeigen sechs Tage bis sechs Wochen nach der Infektion Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, geschwollene Lymphknoten sowie einen Ausschlag; der HIV-Antikörpertest ist aber bis zu drei Monate nach der Infektion noch negativ.
  • Stadium II: In den folgenden acht bis neun Jahre kann eine symptomlose Phase folgen, in der sich das Virus jedoch vermehrt.  
  • Stadium III: Lymphknotenschwellungen können auftreten.
  • Stadium IV: Nach etwa zehn Jahren kann es zu Lungenentzündungen, neurologischen Erkrankungen oder zum Ausbruch bestimmter Krebsarten wie das Kaposi-Sarkom kommen.

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Therapie

In den letzten zehn Jahren wurden in Bezug auf die Behandlung große Fortschritte erzielt. Ob eine Behandlung mit gegen den Virus wirksamen Substanzen (antiretrovirale Therapie) notwendig ist, ist  altersabhängig und richtet sich bei Kindern  -  wie bei den Erwachsenen  - nach der Viruslast und bestimmten Blutwerten (den T-Helferzellen) sowie dem klinischen Krankheitsstadium des Patienten.  Große Studien zeigen den Zusammenhang zwischen Höhe der T-Helferzellen bzw. Höhe der Viruslast und der Prognose.
Etwa zwölf der bisher entwickelten Medikamente gegen AIDS sind für Kinder geeignet. Die Krankheit selbst ist medikamentös zwar nicht heilbar, aber die Vermehrung der Viren kann vermindert und ein weitgehend normales Leben ermöglicht werden. Meist kombiniert man mehrere Medikamente.

Im ersten Lebensjahr wird die Behandlung aller Säuglinge (bis 12 Monate) empfohlen, weil im Säuglingsalter das Risiko an schwerwiegenden Symptomen wie der Pneumocystis-Lungenentzündung oder der Gehirnentzündung zu erkranken, sehr hoch ist.

Das Behandlungsziel ist die Senkung der Viruslast unter die Nachweisgrenze, um Schäden am Immunsystem hintanhalten zu können.

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HIV und Impfungen

Besteht eine ausreichende Funktion des Immunsystems, sind außer Tuberkulose (BCG) alle Impfungen grundsätzlich durchführbar, Lebendimpfungen wie Varizellen und Masern-Mumps-Röteln jedoch mit Einschränkungen. Bei schlechtem Immunstatus sind nur Impfungen mit abgetöteten Erregern oder Toxoiden möglich.

Da bei HIV1-Patienten (auch bei gutem Immunstatus) wegen der Imbalance des Immunsystems ein Impfschutz schwieriger zu erzielen ist und oft auch kürzer anhält, wird eine Erfolgskontrolle durch Bestimmung der Impfantikörpertiter empfohlen.

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Vorbeugung

Es gibt keinen Impfstoff gegen HIV, aber die Infektion des Kindes durch die Mutter ist vermeidbar.  Aufklärungsprogramme und die Verwendung von Kondomen können erwiesenermaßen vorbeugend wirken und der Mutter-Kind-Übertragung kann medikamentös vorgebeugt werden. Die Nutzung von sterilen Einmalinstrumenten im medizinischen Bereich kann die Übertragung in diesem Bereich verhindern.

© DDr. Peter Voitl

Der Inhalt dieser Seite wurde am 7. Juni 2007 erstellt.

Der Inhalt dieser Seite wurde am 4. Juli 2011 letztmalig geändert.