Alkohol bei Kindern und Jugendlichen

In einer neueren wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2016 ( „Europäische Schülerstudie zu Alkohol und Drogen“) gaben 88 Prozent der heimischen Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren an, schon einmal Alkohol konsumiert zu haben.

Werbung, Freunde und die eigene Familie führen viele Kinder bereits früh an Alkohol heran, er begleitet viele soziale Anlässe und der Konsum zählt zu den kulturell akzeptierten Entwicklungsphasen eines Jugendlichen.

Neue Studien ergaben, dass der Alkoholkonsum nichts mit der sozialen Schicht zu tun hat, der die Kinder angehören. Viel eher sind es die Trinkgewohnheiten der Eltern, die das Kind zum Alkohol führen. Konsumieren die Eltern häufig Alkohol, so kommen auch die Kinder ganz zwangsläufig öfter mit Alkohol in Kontakt. Kinder von alkoholkranken Eltern haben ein sehr hohes Risiko, selbst alkoholkrank zu werden.

Eine Rolle spielt auch das Erziehungsverhalten der Eltern. Werden Konflikte innerhalb der Familie konstruktiv gelöst, können auch Kinder ihre Probleme und Konflikte mit den erlernten Mitteln lösen. Damit scheidet Alkohol als Konfliktlöser aus, zudem sind diese Kinder auch nachweislich stärker vom Gruppendruck befreit, der Alkohol oft als etwas Erstrebenswertes, Cooles definiert. Kinder, die einen einseitig autoritären oder auch antiautoritären Erziehungsstil genossen haben, sind hier gefährdeter.

Wer Alkohol trinkt, ist Teil der Erwachsenenwelt; und das Ausprobieren unterschiedlicher legaler und auch illegaler Substanzen gehört zum normalen Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Dies führt jedoch nur bei einem Bruchteil der Konsumenten zu einem problematischen Konsumverhalten.

Eine wichtige Rolle spielen die Erwartungshaltungen der Kinder an den Alkohol. Sie erhoffen sich zumeist positive Auswirkungen auf ihr Sozialleben. Alkohol fördert für viele Jugendliche auch die Entspannung, reduziert Stress und löst scheinbar Probleme. Hinzu kommt, dass viele Kinder und Jugendliche ein ausgeprägtes Bedürfnis nach emotionalen Reizen, nach Angst- und Lusterfahrungen aufweisen, offenbar eine Weiterentwicklung der kindlichen Neugier. Dazu zählt dann auch, Alkohol und Drogen auszuprobieren – und das am besten exzessiv, etwa beim sogenannten Komatrinken. Und auch die Schulangst spielt beim Alkoholkonsum eine Rolle – unabhängig von der Intelligenz des Kindes.

Die Freundesgruppe kann auch maßgeblich am Alkoholkonsum beteiligt sein, wo viel getrunken
wird, kann sich ein Gruppenmitglied dem Alkohol kaum entziehen.

Als besonders problematisch ist der gegenwärtige Trend zu den so genannten Alkopops zu sehen. Es geht dabei gar nicht so sehr um den Alkoholgehalt dieser Getränke, sondern um den darin enthaltenen Zucker, der dafür sorgt, dass die berauschende Wirkung des Alkohols beschleunigt wird, indem er rasch ins Gehirn dringt.

Die Folgen des Alkohols bei Jugendlichen können allerdings beträchtlich sein, da das sich entwickelnde Nervensystem empfindlicher reagiert als bei Erwachsenen. Leistungsabfall in der Schule, Depressionen, Nachlassen des sexuellen Verlangens und Sprachstörungen können die Folge sein.

Wie bei Zigaretten und Drogen, gilt auch bei Alkohol: Sind die ersten Anzeichen für einen problematischen Umgang da, muss gehandelt werden. Reden Sie mit Ihrem Kind, äußern Sie Ihre Vermutung, bieten Sie Ihre Hilfe an. Vermeiden Sie aber Schuldzuweisungen und Drohungen. Kommt es zu keiner Besserung, wiederholen Sie Ihr Hilfsangebot und stecken Sie einen klaren Rahmen ab, bis wann Sie sich eine Besserung erwarten. Kommt es wieder zu keinem Ergebnis, muss professionelle Hilfe bei niedergelassenen PsychotherapeutInnen, PsychologInnen, Kinderund JugendpsychiaterInnen oder in entsprechenden Institutionen oder Kliniken erfolgen, da Sie in diesen Fällen selbst kaum mehr etwas erreichen können. Wichtig ist es dabei, dass Sie Ihrem Kind vermitteln können, dass Sie es nicht abschieben, dass eine professionell betreute Therapie aber der beste Weg aus der Sucht ist. Falls es nicht gelingt Ihr Kind dazu zu bewegen - gerade im Jugendalter ist die Inanspruchnahme solcher Hilfsangebote oft nicht leicht - scheuen Sie sich nicht, dass sie sich als Eltern selbst Unterstützung holen. Die ist meist ein zentraler erster Schritt!

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