Verschlucken von Fremdkörpern

Kleinkinder stecken oft kleinere Gegenstände in den Mund und können diese in der Folge versehentlich verschlucken.

Die meisten Fremdkörper werdenauf natürlichem Weg ausgeschieden und tauchen im Stuhl wieder auf.Ein medizinisches Eingreifen ist oft nicht erforderlich.

Betroffensind meist Säuglinge und Kleinkinder, die beim Spielen kleinereFremdkörper ungewollt verschlucken. Der Altersgipfel liegt imzweiten und dritten Lebensjahr. In diesem Alter sind es vor allemMünzen, die offensichtlich leicht verschluckt werden können sowieSpielzeugteile, Murmeln und andere Kleinteile. Bei Fremdkörpern imspäteren Schulalter handelt es sich häufig um Fremdkörper wieNadeln, Reißnägel oder ähnliches, wenn der Mund als dritte Handbenützt wird. Manchmal werden auch absichtlich größere Fremdkörper(2 Euro Münzen oder Kugeln) bzw. auch gefährliche Fremdkörper(Nadeln oder Rasierklingen) verschluckt. Bei Kindernmit psychopathologischem Hintergrund kann die Diagnostik und Therapieerheblich erschwert sein.

Verschluckenvon Fremdkörpern (auch Ingestion genannt) ist im Kindesaltervermutlich wesentlich häufiger als angenommen, ein Großteil bleibtüberhaupt unbemerkt und asymptomatisch. Die österreichischeVergiftungs- informationszentrale wird jährlich ca. 20.000 mal wegenIngestionen kontaktiert. Die meisten der verschluckten Fremdkörpersind harmlos und werden nach unterschiedlich langer Passage-Dauer aufnatürliche Weise wieder ausgeschieden. Auch spitze Gegenständekönnen den Darmtrakt durchwandern ohne eine Verletzung zuverursachen. Mehr als die Hälfte dieser Fremdkörper werden nie mehrgefunden, d.h. sie werden im Stuhl unbemerkt ausgeschieden.

Münzenmit einem Durchmesser < 2 cm (1-, 2- und 10-Centstücke) könnenproblemlos den Magen passieren. Batterien (vor allemKnopfzellenbatterien) sind problematisch, weil es zu elektrischenVerbrennungen an der Schleimhaut kommen kann.
Weiterehäufig anzutreffende Fremdkörper sind Ringe, Spielzeugteile,schlecht gekaute Nahrung und Knochen. Weiche Einschlüsse, wie zumBeispiel Saugerteile oder konzentrisch liegende Ringe könnenmanchmal lange Zeit unbemerkt in der Speiseröhre bleiben.

BerichtenSie dem Arzt den möglichst genauen Zeitpunkt des Verschluckens unddie Art des Fremdkörpers (Größe, Material, Form,Oberflächenbeschaffenheit). Ein Vergleichsobjekt kann sehr hilfreichsein. Es ist immer zu beachten, dass möglicherweise mehrereFremdkörper verschluckt wurden!

Auchdie Uhrzeit der letzten Nahrungsaufnahme kann für eine eventuelleNarkose wichtig sein.

Beider Untersuchung kann man eventuelle Verletzung im Mund bzw. Rachenfeststellen und bei der Untersuchung des Bauches Hinweise auf einakutes Geschehen feststellen.

DieMehrzahl der verschluckten Fremdkörper ist im Röntgen sichtbar,eine solche Aufnahme ist aber nur selten nötig. Besteht der Verdachtauf einen nicht röntgendichten Fremdkörper, kann eineRöntgendarstellung mit Kontrastmittel (Schluckat) notwendig sein. ImUltraschall kann man Fremdkörper oft nicht darstellen. CT und MRTbleiben spezielleren Fragestellungen vorbehalten.

Beider Entscheidung über das weitere Vorgehen müssen Risiko und Nutzenabgewogen werden, da die meisten Fremdkörper folgenlos bleiben. Beispitzen oder scharfkantigen Fremdkörpern kann eine stationäreÜberwachung ausreichend sein. Abführmittel sind nicht hilfreich undsollten vermieden werden.

Beiungefährlichen Fremdkörpern genügt eine ambulante Beobachtung, ein Röntgen wird erst frühestens nach sieben bis zehn Tagen empfohlen,wenn es dem Kind gut geht. Eine gründliche Stuhlkontrolle durch dieEltern ist zu empfehlen.

EinFremdkörper, der in der Speiseröhre steckengeblieben ist, sollrasch entfernt werden, da nach 24 Stunden die Gefahr vonEntzündungsreaktionen steigt. Die sicherste Methode ist dieEntfernung mittels einer Endoskopie in Narkose. Sobald derFremdkörper die Speiseröhre verlassen hat passiert er in der Regelden Magen – Darmtrakt problemlos. Deshalb kann man bei Fremdkörpernim Magen unter Umständen bis zu vier Wochen abwarten. Lediglich beisehr großen oder scharfkantigen Fremdkörpern bzw. bei verschlucktenBatterien soll eine Entfernung erwägt werden.

Seltenkönnen Fremdkörper bis zum Blinddarm gelangen und dort eineBlinddarmreizung verursachen. Steckt der Fremdkörper im Enddarm,kann er auch mit einem Einlauf entfernt werden.

Warnsymptome,die rasches Handeln erfordern, sind Unruhe, Schmerzen, Erbrechen oderstarker Speichelfluss.

  • Verletzungen durch den Fremdkörper selbst (Schleimhautverletzung)
  • Verlegung der oberen Atemwege.
  • Steckenbleiben in der Speiseröhre, nicht selten aber auch im Eingang der Speiseröhre. Deshalb muss im Röntgen immer auch die untere Zahnreihe dargestellt werden. Ein Liegenbleiben im weiteren Darmtrakt ist selten.
  • Bei Knopfzellen droht neben Niederstrom-Verbrennungen auch ein Austritt giftiger Stoffe (bei alten Batterien zum Beispiel Quecksilber) durch die Magensäure.
  • Glassplitter verlangen eine genaue Untersuchung um zu klären, ob eine Magenspiegelung erforderlich bzw. möglich ist.
  • Unterschätzt werden die Gefahren, die von schlecht verwahrten Medikamenten und Putzmitteln ausgehen. Manchmal schlucken Kinder auch die stark alkalischen, mehrfarbigen Geschirrspülertabs; die Folge ist eine schwere Verätzung der Speiseröhre.

Eineigenes Problem stellt die Inhalation von Fremdkörpern dar. Diesesogenannte Fremdkörperaspiration betrifft meist Kleinkinder, Bubenhäufiger als Mädchen; Nüsse sind die häufigsten Fremdkörper. Beitypischer Anamnese ist die Bronchoskopie (Luftröhrenspiegelung) zurEntfernung erforderlich.

VerwahrenSie Medikamente und Putzmittel an einem kindersicheren Ort! DieAbfüllung von ätzenden oder giftigen Lösungen in Getränkeflaschenoder ist wegen der Verwechslungsgefahr sehr gefährlich!

VergiftungsInformations Zentrale Wien (0043) 01-4064343